Leidenschaft Leucht­röhre: François Morrelet

7. August 2009, 18:41
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Das Frühwerk des Vertreters der Geometrischen Abstraktion dominiert den Sekundärmarkt, der Primärmarkt punktet mit Atelierware

Für diese Ausstellung parallel zur Salzburger Festspielzeit, bemerkt der Galerist Nikolaus Ruzicska nicht ohne Stolz, habe François Morellet Werke "herausgerückt" , an die Galerien sonst nicht herankommen. Monumentale Unikate wie die wärmend rote Lunatique neonly, quatre quarts, N°16 (2005, 90.000 Euro), das weiße Labyrinth Répartition N°1 (2002, 124.500) oder die aus dem Bild purzelnden Linien von Relâche N°8 (1994, 138.000 Euro). Gedankt sei dem Ruf der Festspiele, ihres illustren Kunstpublikums und ein wenig wohl auch dem Geschäftssinn des ehemaligen Unternehmers: Morellets künstlerische Laufbahn durchkreuzt zunächst die Führung der elterlichen Kinderwagenfabrik (1948-75).

Preisliche Schnäppchen darf man sich in der kleinen Retrospektive des heute 83-jährigen Vertreters der Geometrischen Abstraktion und Mitbegründers der konkreten Kunst also keine erwarten. Denn die edle, aufgesparte Ware aus dem Atelier im nordwestfranzösischen Cholet hat ihren Preis und ist auf dem Sekundärmarkt gar nicht verfügbar.

Dort erreichen insbesondere seine Lichtinstallationen - in Morellets Verständnis konkrete Malerei, erweitert um die Dimension des Lichts - dreistellige Beträge und sorgten auch für die bisherigen Rekorde am Auktionssektor: 2007 wurde 4 panneaux avec 4 rythmes d'éclairage interférents" von 1963 (weiße Neonröhren "schraffieren" variierend vier quadratische Felder) bei Sotheby's in Paris um netto 165.000 Euro verkauft. Zwei Jahre zuvor wurde ebendort für eine Installation gleichen Datums (64 lampes), die allerdings Glühbirnen statt Neon verarbeitete, mit 95.000 Euro netto ein guter, jedoch in Bezug auf die Maße 160 x 160 cm) erheblich niedrigerer Preis erzielt.

Sicher haben auch die rund um Morellets 80.Geburtstag ausgerichteten Personalen - etwa 2006 im Musée d'Orsay, 2007 im Musée d'Art Moderne in Paris - zu den erheblichen Umsatzentwicklungen (2004: 51.000, 2005: 228.000, 2007: 372.000 Euro) beigetragen. Auf den Marktwert-Einfluss der für 2011 geplanten Louvre-Schau darf man also gespannt sein.

Generell ist zu bemerken, dass sich am Sekundärmarkt überwiegend das Frühwerk Morellets, und hierbei vor allem Leinwandbilder, finden. Nur elf Auktionsergebnisse von Werken aus 1995 bis 2008 listet die US-Kunstdatenbank Artprice. Dass der Handel mit Werken Morellets zu 45 Prozent aus Frankreich gespeist und zu 67 Prozent dort auch wieder abgesetzt wird, kann in die Irre führen. Denn das entflammte Interesse seiner Landsleute ist noch jung. Morellet heuer dazu: "Das Desinteresse der Franzosen bezieht sich auf die gesamte konstruktive, systematische und insbesondere die konkrete Kunst." (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

 

  • Morellets "Lunatique neonly ..."  (2005).
 
    foto: vbk


    Morellets "Lunatique neonly ..."  (2005).

     

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