"Neuer Kaukasus-Krieg ist möglich"

7. August 2009, 16:55
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Verweis auf russischen Premier Putin, der ihn laut Sarkozy "an den Eiern aufhängen" will - EU-Mission hat "keine Beweise" für neue Provokationen

Berlin - Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat zum ersten Jahrestag des Kaukasus-Krieges vor neuen schweren militärischen Auseinandersetzungen mit Russland gewarnt. "Die Gefahr gibt es noch", sagte Saakaschwili am Freitag im deutschen Sender ARD. So sei der russische Ministerpräsident Wladimir Putin noch immer an der Macht, und "er hat sich verpflichtet, mich an irgendeinem Teil meines Körpers aufzuhängen", sagte Saakaschwili laut Übersetzung.

Nach Presseberichten hatte Putin dem vor einem Jahr um Vermittlung bemühten französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gesagt, er werde den georgischen Staatschef "an den Eiern aufhängen".

Saakaschwili warf Russland vor, den Krieg um Südossetien angezettelt zu haben: "Man muss sagen, dass Russland angefangen hat." Die russische Führung habe mit dem Krieg versucht, "meine Regierung zu stürzen und die georgische Demokratie abzuwürgen". Das sei aber nicht gelungen. "Sie haben ihr Hauptziel nicht erreicht", sagte der Präsident. Zugleich wies er den Vorwurf zurück, den Krieg mit einem Angriffsbefehl auf das von Georgien wegstrebende, von Russland unterstützte Südossetien ausgelöst zu haben.

Medwedew: "Russland hat verantwortlich gehandelt"

Der russische Präsident Dmitri Medwedew verteidigte indes den Einmarsch russischer Truppen in die Ex-Sowjetrepublik Georgien. Russland habe verantwortlich gehandelt, indem es das Leben tausender Menschen geschützt habe, sagte Medwedew in einem Interview des russischen Staatsfernsehens, das der Kreml am Freitag im Voraus veröffentlichte. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte Medwedew als Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte. Der Präsident übernahm die alleinige Verantwortung für den Einmarschbefehl: "Ich war der einzige, der alle Entscheidungen getroffen hat"

Am 7. August 2008 hatte Georgien eine Offensive gestartet, um die Kontrolle über seine abtrünnige Region Südossetien zurückzugewinnen. Die russische Armee marschierte in der darauffolgenden Nacht in Georgien ein. Die russischen Soldaten schlugen die georgischen Truppen zurück und drangen weit in georgisches Territorium vor.

Gedenken am Jahrestag

Im früheren Kriegsgebiet wurden auch am Freitag die Gedenkveranstaltungen fortgesetzt. Russland und Georgien geben sich bis heute gegenseitig die Schuld an dem Krieg. Die internationale Staatengemeinschaft tut sich allerdings noch immer schwer damit, den Hauptschuldigen in dem Konflikt zu benennen.

Tiflis und Moskau berichten auch ein Jahr nach dem Beginn des Konflikts wieder von Provokationen und Zwischenfällen im jeweils anderen Gebiet. Die EU-Beobachter in Georgien haben allerdings nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Javier Solana dafür keine Beweise. "Mir ist versichert worden, dass die Lage vor dem Jahrestag des Georgien-Konflikts vom vergangenen Jahr an Ort und Stelle im allgemeinen ruhig geblieben ist, trotz einiger Spannungen wegen öffentlicher Erklärungen über angeblich gewaltsame Zwischenfälle", erklärte Solana am Freitag in einem Statement in Brüssel. (APA/Reuters)

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