Fröhlich in letzter Minute

6. August 2009, 16:48
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Die meisten Anbieter von Buchungsplattformen sind in Deutschland zu Hause. Der Grazer Georg Baumgartner hält mit seinen Schnäppchen-Seiten dagegen

Georg Baumgartner ist seit ersten August Geschäftsführer der HAPPYHOURSYSTEMS GmbH. Begonnen hat alles mit einer Schnäppchen-Plattform für Golfer, die im April 2006 online ging und mit der Baumgartner ein ganz neues Konzept vorgestellt hat. Mittlerweile gibt es vier Kategorien: Skiurlaub, Golfurlaub, Wellnessurlaub und seit kurzem auch Outdoor.

Bei den Happyhour-Plattformen handelt es sich nicht um Versteigerungen, sondern um eine bestimmte Anzahl von Angeboten, die zum Fixpreis verkauft werden: "Wie der Name schon sagt, gibt es zu gewissen Zeiten besonders gute Angebote. Jeweils montags und donnerstags von 14 bis 24 Uhr werden die Schnäppchen zum Kauf freigeschalten. Da die Anzahl begrenzt ist, gilt das Motto 'Wer zuerst kommt, malt zuerst!' Dadurch sind Ermäßigungen bis 70 Prozent möglich! Die Registrierung für die Kunden ist kostenlos und die angeführten Preise sind Fixpreise. Es handelt sich also um keine Versteigerung", erklärt Baumgartner die Funktionsweise.

Der Gang ins Internet wird für Reisekunden immer selbstverständlicher. Sei es, um sich umfassend über mögliche Reiseziele zu informieren, sei es um tatsächlich Buchungen vorzunehmen. Natürlich bietet das Internet die einfachste Möglichkeit, möglichst schnell und umfassend Informationen über verschiedene Angebote einzuholen und, im Falle einer Buchung, schnell auf eine günstige Möglichkeit zu reagieren.

 

Zeit ist Geld, auch bei der Urlaubsbuchung

Baumgartners Konzept basiert genau auf dem Faktor Schnelligkeit. Dabei haben die Benutzer aber genug Zeit, sich umfassend über die Angebote zu informieren. Ein Konzept, das offensichtlich funktioniert, denn vor kurzem konnte der Grazer die vierte Plattform, die nach dem selben Muster funktioniert, ins Netz stellen: "Die Erfolge der drei bisherigen Portale Golf-, Ski- und Wellnesshappyhour.com haben uns dazu bewogen, unser Verkaufskonzept auch in den Outdoorbereich zu verlegen. Gerade in der jetzigen Situation bieten wir eine Plattform, um unseren Kunden günstige, aber hochqualitative Schnäppchen bieten zu können." Die Anbieter hingegen hätten dadurch eine Möglichkeit, besonders günstige Angebote ins Netz zu stellen, ohne dabei ihre Normalpreise unter Druck zu setzen. Für Baumgartner eine "win-win-Situation".

Reisende buchen dieses Jahr auffällig spät und brauchen sehr lang, um sich für einen Urlaub zu entscheiden - und dann ist es häufiger als bisher ein Urlaub im eigenen Land. Ein Tatsache, die allgemein in der Tourismusbranche Einzug gehalten hat: "Der Trend geht eindeutig in Richtung Online-Buchung und Schnäppchenjagd", so Baumgartner. Auch hochpreisige Anbieter müssen sich dem neuen Buchungsverhalten anpassen: "Der Gedanke war, auch preissensible Bereiche an diesem Trend teilhaben zu lassen, ohne dadurch das gesamte Preisgefüge zu gefährden. Wir haben auch 5-SternHotels mit Schnäppchen in unserem Angebot, was bislang undenkbar gewesen wäre. Die doppelte Verknappung (Menge und Zeit) macht es möglich", so Baumgartner.

 

Ein heiß umkämpfter Markt

Dominierend ist in der Welt der virtuellen Reiseplanung und -buchung der Nachbar Deutschland. Mit großen Plattformen deckt er weite Bereiche des Marktes ab und macht es Neueinsteigern schwer, in der inzwischen heiß umkämpften Welt des Onlinetourismus Fuß zu fassen: "Wir sind ein Grazer Unternehmen mit derzeit nur österreichischen Partnern. Der Konkurrenzdruck ist natürlich auf die gesamte Branche gesehen groß. Allerdings sind wir mit unserem Marktzugang einzigartig. Eine Plattform zu schaffen und dann Fremdcontent einzuspielen, der gleichzeitig auf zig Plattformen zu finden ist, ist nicht unsere Intention. Wir haben etwas Neues geschaffen. Ich würde sagen, alle haben klein begonnen", sagt Baumgartner. Wichtig sei vor allem, eine Nische zu finden und dann seinen Weg konsequent zu verfolgen. Mit der Happyhour.com-Plattform hätte man eine neue Anwendung aufgezeigt, die sowohl auf Kunden- als auch auf Anbieterseite für positive Rückmeldung sorge.

Für ein Hotel stellt Baumgartners Plattform inzwischen sogar die stärkste Online-Buchungsplattform dar: "Die fünfzehn Prozent, die zur Vollauslastung fehlen, werden in Form von Schnäppchen je nach Notwendigkeit angeboten - es gibt zum Teil 40 Prozent und mehr Ermäßigung. So wird eine teure Stehzeit verhindert und andererseits hat man zufriedene Gäste, die Ihrerseits wieder einen positiven Multiplikator darstellen", erklärt Baumgartner den Nutzen für die Anbieterseite. Eine generelle Preissenkung von Hotels aufgrund der schwierigen Lage hält Baumgartner auf Dauer für nicht realisierbar, da es die meisten Betriebe über einen längeren Zeitraum nicht verkraften würden. Vielmehr können sie durch gezielte Angebote Stehzeiten vermindern und kurzfristig reagieren, ohne dass der Allgemeinpreis unter ein tragbares Niveau fällt - und der Kunde hat die Wahl zwischen gemütlicher Buchung auf lange Sicht zum Normalpreis und der Anspannung darüber, ob er das gleiche Angebot für einen wesentlich günstigeren Preis erhält.

 

Sparsame Gäste sind großzügig

Wert legt er vor allem darauf, dass es sich bei den Schnäppchen nicht um billige Angebote handelt, sondern dass seine Partner hochwertige Betriebe sind, die aufgrund der Verkaufssystematik einige besondere Schnäppchen anbieten. Der Kunde erhält keine Mindestleistung, sondern bezahlt für ein gleichwertiges Angebot statt des Normalpreises entsprechend weniger. Wenn er schnell genug ist und im richtigen Moment reagiert.

Für Baumgartner gibt es den typischen Schnäppchenjäger nicht: "Vor allem in der jetzigen Zeit hat sich der Trend zum Preisbewusstsein verständlicherweise gesteigert". Da die Kunden beim Grundprodukt sparen - eine Wanderwoche im Lungau kann beispielsweise um 35,70 Prozent oder 277 Euro günstiger gekauft werden - sind sie dann letztendlich dazu bereit, vor Ort etwas mehr Geld auszugeben. (Mirjam Harmtodt/derStandard.at/7.8.2009)

  • Georg Baumgartner besteht mit seinen HAPPYHOUR-Plattformen in der weiten Welt der Reiseangebote im Internet, die von deutschen Anbietern dominiert wird.
    foto: privat

    Georg Baumgartner besteht mit seinen HAPPYHOUR-Plattformen in der weiten Welt der Reiseangebote im Internet, die von deutschen Anbietern dominiert wird.

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