Beiersdorf bricht Gewinn weg

4. August 2009, 13:28
1 Posting

Der erfolgsverwöhnte Konzern leidet unter der Krise, auch der Halbjahres-Umsatz lag deutlich unter dem Vorjahr

Hannover - Der deutsche Kosmetikhersteller Beiersdorf sieht in seinem wichtigsten Geschäftsfeld Kosmetik die Talsohle erreicht, rechnet für dieses Jahr im Konzern aber weiterhin mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang. "Die Perspektive für 2009 ist, dass die Märkte, in den wir uns bewegen, sich ein bis zwei Prozent unter Vorjahr entwickeln werden, während wir in unserem Consumer-Geschäft leicht über Vorjahr liegen werden", sagte Thomas Quaas am Dienstag im Reuters-Interview.

Für die Klebstoffsparte - die unter der eingebrochenen Autokonjunktur leidet - rechnet der Konzern im zweiten Halbjahr nicht mit einer Verbesserung. Bei einer "schwarzen Null" für Tesa werde die Rendite (Ebit-Marge) 2009 konzernweit dennoch über zehn (2008: 11,7) Prozent liegen.

Mit dem im ersten Halbjahr verbuchten Rückgang des Betriebsgewinns (Ebit) um ein Viertel auf 291 Mio. Euro und des Umsatzes um knapp fünf Prozent auf 2,94 Mrd. Euro erfüllte Beiersdorf zwar die Erwartungen der Analysten. Dennoch gehörte die Aktie mit einem Minus von gut drei Prozent zu den größten Verlierern im Dax. "Der Ausblick erscheint uns ein wenig pessimistisch", schrieben die Analysten von Credit Suisse in einer Kurzstudie. Die WestLB und Evolution Securities stuften die Aktie herunter.

Der französische Konkurrent L'Oreal hatte nach einem im Vergleich zu Beiersdorf geringeren Umsatzrückgang im Quartal erklärt, er erwarte eine Erholung im zweiten Halbjahr. L'Oreal hat vor allem teuere Marken wie Garnier, Lancome und Vichy im Angebot.

Massenmarkt Nivea

Im Luxussegment, in dem Beiersdorf mit der Marke La Prairie vertreten ist, deutete sich hingegen beim Hamburger Konzern im Halbjahr bereits an, dass der Umsatz 2009 unter dem Vorjahr liegen wird. "Der für uns relevantere Massenmarkt Nivea wird hingegen deutlich stabiler sein", sagte Quaas.

Trotz der Krise setzt Beiersdorf bei Ausgaben für Werbung und Entwicklung nicht den Rotstift an. "Manch einer fühlt sich gezwungen, seine Gewinne über reduzierte Forschungs- und Marketingbudgets zu erreichen. Das tun wir nicht", sagte Quaas. So sollen etwa die Werbeausgaben für zugekaufte chinesische Marken in diesem Jahr den höchsten Stand erreichen.

Der Konzern behalte mit Hilfe solcher Maßnahmen sein Ziel weiter fest im Blick, 2010 einen Weltmarktanteil von 5,5 (2008: 4,9) Prozent zu erreichen, sagte Quaas. Das will die Firma allein über Wachstum aus eigener Kraft schaffen, auch wenn Zukäufe weiterhin auf der Agenda stehen. "Wir schauen auf der ganzen Welt, was sich an Akquisitionszielen anbietet - aber mit entspanntem Blick", sagte Quaas. "Wir werden nichts kaufen, nur weil es billig ist, sondern werden immer auf die Qualität achten."

Neue Sparpakete plant Beiersdorf derzeit nicht. "Wir sind der Auffassung, dass die definierten Maßnahmen ausreichen", sagte Quaas. Für den Fall, dass sich die Märkte unerwartet verschlechtern sollten, seien zusätzliche Einschnitte aber nicht ausgeschlossen. (APA/Reuters)

Share if you care.