Neun Soldaten getötet

2. August 2009, 12:29
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Britisches Unterhaus kritisiert Einsatz - Rasmussen für Kontakte mit den Taliban - Karzai begann Wahlkampagne

Kabul/London/Brüssel - Bei Bombenexplosionen und Gefechten mit Taliban-Kämpfern sind am Wochenende neun Soldaten der internationalen Truppen in Afghanistan getötet worden. Nach dem Tod dreier Amerikaner und eines Franzosen am Samstag meldete die NATO am Sonntag, dass zwei weitere Soldaten bei Anschlägen ums Leben gekommen seien. Die Nationalität wurde nicht bekannt. Der Juli war für die internationalen Truppen der verlustreichste seit Beginn der Offensive 2001: 74 ausländische Soldaten ließen ihr Leben, darunter 43 Amerikaner und 22 Briten.

Die drei am Wochenende getöteten US-Soldaten fielen zwei separaten Bombenexplosionen in der südafghanischen Provinz Kandahar zum Opfer. In der Region hat die NATO-Schutztruppe ISAF eine Großoffensive gegen die Taliban gestartet. Der Franzose war am Samstag gemeinsam mit afghanischen Truppen in der Provinz Kapissa nordöstlich von Kabul im Einsatz, wo es zu Kämpfen mit den radikalislamischen Aufständischen kam. Zwei weitere französische Soldaten wurden dabei verwundet. Erst am Freitag kamen bei Anschlägen und Gefechten im Westen des Landes 17 Menschen ums Leben. Elf Menschen starben bei einem Gefecht zwischen einem NATO-Konvoi und Rebellen.

Vor dem Hintergrund des dramatisch steigenden Blutzolls zog das Londoner Unterhaus eine düstere Bilanz des Afghanistan-Einsatzes und forderte eine Konzentration auf die wichtigsten Aufgaben. Durch das "Fehlen einer realistischen Strategie" seien in dem Land "längst nicht die Ergebnisse erzielt worden, die erhofft wurden", kritisiert der Auswärtige Ausschuss des Unterhauses in dem am Sonntag veröffentlichten Bericht. Die Aufgabe, Afghanistan zu stabilisieren, sei dadurch sehr viel schwieriger geworden.

Künftig sollen die Briten auf ihre Führungsrolle bei der Drogenbekämpfung verzichten und ihre Kräfte auf die oberste Priorität, die Sicherheit, konzentrieren, fordern die Parlamentarier. Die Armee habe nämlich eine "erhebliche Ausweitung des Kampfauftrages" verkraften müssen und immer mehr Verantwortung übernommen, darunter auch für Menschenrechte und Staatenbildung. In Afghanistan seien "vermeidbare Fehler" gemacht worden, kritisierte der Bericht unter anderem "unrealistische Planungen" und "schwache Koordination" beim Truppeneinsatz.

Der neue NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach sich indes für Verhandlungskontakte des Verteidigungsbündnisses mit radikalislamischen Taliban-Gruppen aus. Der Kopenhagener Zeitung "Politiken" sagte Rasmussen, der am gestrigen Samstag sein Amt antrat: "Es gibt unter den Taliban Gruppen, mit denen man bei dem Versuch, Versöhnung in Afghanistan zu schaffen, sprechen kann." Es sei aber auch klar, dass es einen harten Kern gebe, der nur Respekt vor militärischer Macht habe und für Vereinbarungen nicht infrage komme.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai startete am gestrigen Samstag in der nördlichen Provinz Baghlan seinen Wahlkampf vor den Präsidentenwahlen am 20. August. Vor tausenden Anhängern im Dorf Kajan sagte Karzai, er setze beim Wiederaufbau des Landes auf einen Dreiklang "Frieden, Entwicklung und soliden Beziehungen zu den ausländischen Mächten". "Der Terrorismus bereitet uns immer noch Sorge, zerstört unser Land." Daher sei Frieden und nationale Versöhnung das oberste Ziel seiner Arbeit.

Karzai gilt als Favorit bei der Präsidentschaftswahl am 20. August. Unter seiner Herrschaft gelang es bisher jedoch nicht, den Angriffen von islamistischen Aufständischen ein Ende zu bereiten. Vielmehr nahm die Gewalt in den vergangenen Monaten wieder zu. Derzeit sind mehr als 100.000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert. (APA)

 

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