ÖIAG-Chef Michaelis wird zum Buhmann

2. August 2009, 18:26
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Nach dem Verkauf der AUA hagelt es Kritik

Wien - ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker will, dass Verkehrsträger wie die ÖBB, AUA und auch der Schiffsverkehr künftig stärker kooperieren. Gleichzeitig kritisiert er die Vorgehensweise der Staatsholding ÖIAG, zuletzt beim AUA-Verkauf. Er verlangt, wie schon Kanzler Werner Faymann, ihre Auflösung. Claus Raidl ist auch dafür, Oberösterreichs SP-Parteichef Erich Haider forderte am Sonntag nach dem Verkaufsdebakel um die AUA die Ablöse von ÖIAG-Chef Peter Michaelis.

Geht es nach Pöchhacker, so sollten sich in Zukunft Bahn und Luftverkehr verstärkt abstimmen, "denn die ersten 500 Kilometer will eine Airline aus Kostengründen ohnehin nicht bedienen". In Deutschland und Frankreich gibt es derartige Kooperationen schon.

"Komplett falscher Ansatz" unter Schwarz-Blau

Heftige Kritik übte Pöchhacker an dem unter Schüssel-Grasser eingeführten selbsterneuernden ÖIAG-Aufsichtsrat. In den 80er-Jahren gab es den "Sündenfall Intertrading" in der ÖIAG. Nicht unähnlich mit den heutigen Spekulationsgeschäften der Bundesfinanzierungsagentur. Damals hätten aber erfahrene Konzernmanager wie Erich Becker oder Franz Hollweger die ÖIAG saniert. Ab dem Jahr 2000, also ab Schwarz-Blau, dominierte der neoliberale Ansatz, die Politik dürfe keinen Einfluss auf ihre Beteiligungen nehmen. Laut Pöchhacker sei dies "der komplett falsche Ansatz". Denn bei den selbsterneuernden Aufsichtsräten, die es seit damals in der ÖIAG gibt, waren zwar sehr prominente Namen, aber die Personen hatten keine Zeit für diese Funktion.

Wenn sich also der Eigentümer (Finanzministerium) nicht um die Beteiligungen kümmert, dann müsse das der Aufsichtsrat tun. Erschwerend kam hinzu, dass die Organe der ÖIAG (Alleinvorstand ist Peter Michaelis, der auch AUA-Aufsichtsratschef ist) keine Konzernerfahrung hätten. Dies führe zu Fehlbesetzungen im Vorstand. Bei der AUA wurde Alfred Ötsch bestellt. Bei der Bahn habe die Politik Martin Huber eingesetzt. "Beide Herrn, intelligent, aber eitel", wie Pöchhacker betonte.

"Falsche Strategie"

Sein Resümee: "Wenn sich die Politik nicht kümmert und die Organe der eigenen Beteiligungen nicht optimal besetzt sind, nimmt das Debakel seinen Lauf". Das wiederum führe zu einer falschen Unternehmensstrategie. Die Strategie wiederum sollte immer der Eigentümer vorgeben, in dem Fall die Politik. Und das sei bei der AUA und der Bahn nicht der Fall gewesen.

Während SP-OÖ-Chef Haider die Spekulationsgeschäfte des Bundes geißelt und Konsequenzen fordert, sieht es Pöchhacker differenzierter: Man solle nicht den Schuldigen suchen. Die Geschäfte waren aus seiner Sicht zwar spekulativ, aber das sei der Zeitgeist gewesen. Alle - auch die Banken - hätten diese gemacht, keiner habe das damals als Spekulation gesehen. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.8.2009)

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