Manfred Scheuch feiert 80. Geburtstag

30. Juli 2009, 17:15
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Gegenwärtige Tendenzen, Journalisten nach neuem Gewerbekollektivvertrag zu bezahlen, hält Scheuch für "bedenklich" und kritisiert die "totale Verschlechterung"

"Solidarität", fordert der Manfred Scheuch von Journalisten. Der Wiener Historiker und Publizist feiert Freitag seinen 80. Geburtstag. Gegenwärtige Tendenzen, Journalisten nach neuem Gewerbekollektivvertrag zu bezahlen, hält Scheuch für "bedenklich" und kritisiert die "totale Verschlechterung". Die Gewerkschaft müsse sich gegen die "tristen Änderungen wehren. Journalisten brauchen gewisse Freiheit. Das muss sich im Verdienst widerspiegeln."

Eine solidarische Gemeinschaft waren er und seine Kollegen bei der "Arbeiterzeitung", deren Chefredakteur Scheuch 19 Jahre lang war. Nach ihm übernahm Robert Hochner, dann Peter Pelinka. 1991 war endgültig Schluss.
Als Chefredakteur war Scheuch im SPÖ-Parteivorstand, saß in Ministerratsvorbesprechungen. Mit der Kronen Zeitung habe man "große Kämpfe ausgefochten", erzählt Scheuch. Er prozessierte gegen "Staberl", Richard Nimmerrichter, und trat gegen Kampagnen auf. 

"Der Boulevard ist sehr groß geworden", sagt Scheuch zur Medienlandschaft heute. Es bestehe größere Freiheit bei Kommentaren, gleichzeitig gebe es Missgriffe.

Von 1991 bis 2006 schreibt Scheuch Geschichtsserien im STANDARD, etwa über Spanischen Bürgerkrieg, Sturmjahr 1934, Daraus entstehen neun Bücher. Als 15-Jähriger hob er für die Wehrmacht Panzergräben aus und war bei den Arbeiten zur Alpenfestung abberufen. Nach dem Krieg schrieb Scheuch Gedichte, war drei Jahre Schauspieler in einer Theatergruppe und kam 1963 über Otto Fielhauer und den damaligen Chefredakteur Franz Kreutzer zur Arbeiterzeitung. 1970 machte ihn Bruno Kreisky zum Chefredakteur. Scheuch folgte Kreisky nicht in allen Punkten: "In der Frage Wiesenthal haben wir nicht so mitkönnen, wie er das gewollt hatte. Da war er ein bissl beleidigt", erzählt er. Scheuch erzählt von Bevorzugungen des Kanzlers, die manchen Kollegen heute nicht unbekannt sind: "Er hat oft Dinge, die wir auch gern gehabt hätten an die Kronen Zeitung gegeben." (prie, DER STANDARD; Printausgabe, 31.7.2009)

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