So viele Kalorien wie ein Abendessen

29. Juli 2009, 10:21
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"Böser Bube" von Starbucks kommt auf über 561 Kalorien - Unzureichende Kennzeichnung der Getränke

London/Bonn - Der World Cancer Research Fund (WCRF) hat mehrere Eiskaffeesorten in Großbritannien auf ihren Kaloriengehalt untersucht und kam dabei zu überraschenden Ergebnissen. Der kalorienreichste Drink enthält laut WCRF exakt 561 Kalorien, dies entspricht etwa einem Viertel des täglichen Kalorienbedarfs einer erwachsenen Frau. "Der Umstand, dass so ein Eiskaffee angeboten wird, ist beunruhigend", so Rachel Thompson, wissenschaftliche Leiterin bei WCRF. "Solch ein hoher Kalorienwert ist normalerweise in einem warmen Abendessen zu finden und nicht in einem Getränk."

Der "böse Bube" mit 561 Kalorien ist der "Venti", die größte Version des bei Starbucks erhältlichen Dark Berry Mocha Frapuccino. Ohne Schlagsahne kommt der Eiskaffee auch noch auf stolze 457 Kalorien. Die kleinste Version des Frapuccino, ebenfalls ohne Sahne, käme immerhin noch auf 288. Selbst Drinks mit fettarmer Milch enthalten viele Kalorien, so WCRF. Bei Caffe Nero enthielten die untersuchten Double Chocolate Frappe und der Mocha Frappe Latte je 452 Kalorien. Starbucks ist mittlerweile um Beschwichtigung bemüht: "Der Dark Berry Mocha Frapuccino ist nur einer von über 87.000 Getränke-Variationen, die wir anbieten", so ein Sprecher des Unternehmens. Unter anderem biete man auch herkömmlichen Kaffee mit nur vier, einen Iced Americano mit elf und einen Eiskaffee Latte mit fettarmer Milch mit nur 69 Kalorien an.

Mit Maß und Ziel unbedenklich

Antje Gahl, Ernährungswissenschafterin und Pressesprecherin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), hält den gemäßigten Genuss von Eiskaffee für nicht weiter bedenklich: "Wenn man sich einen Eiskaffee bestellt, dann möchte man ihn ja auch genießen. Viele Konsumenten wollen auf Schlagsahne, Vollmilch und Zucker nicht verzichten - es ist einfach eine Frage des Geschmacks", so Gahl. Dies sei aus ernährungswissenschaftlicher Sicht keineswegs problematisch, solange der Konsum mit Maß und Ziel erfolgt. Die von der WCRF-Studie aufgestellte These, wonach die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung durch das Reduzierung von Übergewicht gesenkt werden könnte, sieht Gahl zwiegespalten: "Ich wäre mit solchen Aussagen vorsichtig. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Ernährung bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielt."

Zu wenig Verbraucherinformation

Ein weiteres Problem in der Thematik um kalorienreiche Eiskaffees ist die oft unzureichende Kennzeichnung mit ernährungsbezogenen Angaben zu Kalorien-, Vitamin- und Fettgehalt der Getränke. Eine vom WCRF ebenfalls untersuchte britische Kaffeeshop-Kette, Costa Coffee (Spitzenreiter: Massimo Coffee Frescato mit 332 Kalorien), arbeitet momentan daran, ihr gesamtes Angebot ausreichend mit ernährungstechnischen Angaben zu kennzeichnen. Gahl hält Verbraucherinformation in der Tat für sehr bedeutend: "Man muss aber abwägen, welche Unternehmen man zur Kennzeichnung ihrer Produkte zwingt, da ein großer Aufwand damit verbunden ist." Besonders Franchise-Unternehmen mit weltweit standardisierter Produktpalette, wie etwa McDonald's oder Subway, sind bei der Kennzeichnung ihrer Produkte Vorreiter. Auch Kaffeeketten wie Starbucks wären gut beraten, nachzuziehen, so die Expertin. (pte)

 

  • Die Alternative: Eiskaffee Latte mit fettarmer Milch
    foto: starbucks corporation

    Die Alternative: Eiskaffee Latte mit fettarmer Milch

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