Holla-rä-di-ri

    28. Juli 2009, 11:40
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    Jodelphonetik vor Gericht

    Die Süddeutsche (23. 7) berichtet von einem interessanten Prozess, mit dem sich das Münchner Landgericht derzeit befassen muss: Die Erben des Österreichers Karl Ganzer, dem Verfassers des "Kufsteiner Liedes", behaupten nämlich, dass die in diesem Lied vorkommende Passage "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri" von Ganzer allein geschrieben worden sei, während Ganzers ehemaliger Freund und Verleger Egon Frauenberger behauptet, er habe an der Erfindung des Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri mitgewirkt und es stehe ihm also ein entsprechender Anteil an den Tantiemen zu.

    Diese Konstellation wirft natürlich interessante Fragen über die Urheberrechtsfähigkeit, aber auch über die generelle Natur der so genannten Jodelphonetik auf, die ja in den unterschiedlichsten Gewändern auftreten kann, also nicht nur als Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri, sondern auch (ein Zitat aus dem Kuckucksjodler) als Di-da, di-da, di-da-da-da, aber auch als Du-dödel-di und so weiter und so fort. Mich würde ja interessieren, welche Jodler die p.t. Leser in ihrer höchstpersönlichen Jodelpraxis bevorzugen, aber selbstverständlich ist auch jede sonstige Anregung zu breiteren Erörterung dieses Themas willkommen.

    Von Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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