Das Geld, die Kritik und der Baulöwe

21. Juli 2009, 19:14
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Real gehört den Klubmitgliedern - Klubchef Pérez haftet für Investitionen - Blatter vergleicht mit Picasso-Gemälden

Ich verstehe nicht, dass man für einen Fußballer so viel Geld ausgeben kann." Also sprach Michel Platini, Präsident des europäischen Verbands (Uefa), als Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro von Manchester United zu Real Madrid übersiedelt war. Für Platini, nur zum Vergleich, hatte 1982 Juventus Turin 1,8 Millionen Euro an St. Etienne überwiesen.

Reals Klubchef Florentino Pérez, milliardenschwerer Bauunternehmer, machte insgesamt 220 Millionen locker, um den Verein aufzurüsten. In der Vorsaison hatte Real gegen den FC Barcelona weder international noch national einen Auftrag. In Spanien meldeten sich gleich zwei Chefs zu Wort, jener der Regierung, Luis Rodríguez Zapatero, und jener des Fußballteams, Vicente del Bosque. Zapatero zum Transferrekord: "Exzessiv. Das gefällt mir nicht." Del Bosque: "Große Klubs formt man nicht mit großen Einkäufen."

Pérez reagiert gelassen. In Madrid nennen sie ihn Midas und sagen, dass zu Gold wird, was er angreift. Das kleine Bauunternehmen ACS machte er zum Global Player. In seiner ersten Amtszeit bei Real (2000-2006) kickten Zinédine Zidane, Luís Figo, der Brasilianer Ronaldo und David Beckham für das "Weiße Ballett", das 2002 die Champions League gewann.

Real ist als einer von wenigen Spitzenklubs weder eine AG noch im Besitz einer Privatperson, gehört seinen 85.000 Mitgliedern. Er setzt 365 Millionen Euro im Jahr um, macht 40 Millionen Gewinn, hat 200 Millionen Schulden. Pérez haftet zwar, investiert aber nicht sein eigenes Geld. Die Ausgaben werden durch Kredite finanziert. Das Merchandising kann viel hereinspielen. Ronaldo soll mehr Trikots verkaufen als Beckham, der es auf 300.000 Stück (24 Mio. Euro) brachte. Ausrüster Adidas zahlt Real derzeit 30 Millionen Euro pro Saison, Pérez fordert 60.

Allein Joseph Blatter, Chef des Weltverbands (Fifa), stellt den Ronaldo-Transfer in Relation zum Kauf eines Picasso-Gemäldes. "Was tun Sie mit so einem Bild? Sie verstecken es, zeigen es vielleicht einmal in einem Museum. Ein Fußballer ist alle paar Tage im Stadion zu sehen." (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 22.7. 2009)

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