CIT steht vor der Pleite

16. Juli 2009, 14:13
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Washington hat der ange­schla­ge­nen US-Mittelstandsbank weitere Nothilfe verweigert, nun werden neue Schockwellen befürchtet

Washington/Wien - Wovor sich Investoren seit Tagen fürchten, wird Realität. Die US-Regierung gewährt den in Schieflage geratenen Mittelstandsfinanzierer CIT keine weitere Staatshilfe. Damit droht dem 1908 in St. Louis, Missouri, gegründeten Unternehmen die Pleite. Bereits heute, Freitag, könnte der Antrag auf Gläubigerschutz eingebracht werden.

Wegen der Kreditklemme bekommt CIT nicht genug kurzfristiges Kapital, das es für Darlehen an Unternehmen benötigt. Zusätzlich belasten die steigenden Zahlungsausfälle und Pleiten von Firmenkunden sowie ein Ansturm besorgter Kunden, die allein in dieser Woche rund 775 Mio. Dollar (551 Mio. Euro) bei CIT abgezogen haben.

Ein Aus des Mittelstandsfinanzierers wäre der größte Zusammenbruch einer US-Geschäftsbank seit der Pleite der Sparkasse Washington Mutual im Vorjahr.

Die genauen Folgen eines CIT-Zusammenbruches sind selbst für Experten schwer abzuschätzen. Als warnendes Beispiel gilt die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008, deren Konsequenzen die US-Regierung unterschätzte. Der Fall von Lehman riss die Welt tiefer in die Wirtschaftskrise und "hat die Brandfackel nach Europa geschleudert" , wie der Wertpapierhändler Dirk Müller kürzlich in einem Standard-Interview sagte.

Schlimme Folgen für Europa

CIT ist zwar weit weniger international verflochten wie etwa Lehman. Eine Pleite des Instituts könnte aber für Europa massive Folgen haben. Der Grund: Die CIT-Gruppe ist nach Volkswagen der am weitesten verbreitete Wert in europäischen Kredit-Portfolien. Laut S&P stecken die CIT-Papiere in 66 Prozent der europäischen Portfolien für synthetische CDOs (Collateralized Debt Obligations, das sind Portfolien an Kreditderivaten - Credit Default Swaps, CDS). Insgesamt wird der Markt für synthetische CDOs in Europa auf ein Volumen von 600 Mrd. Dollar (425 Mrd. Euro) geschätzt. Global gesehen gehört CIT zu den 20 meistgehandelten Unternehmen am CDS-Markt. Das Volumen jener Anleihen, die hinter den CIT-CDS stehen, beläuft sich auf 3,47 Mrd. Dollar.

Von den CIT-Krediten hängen viele kleine und mittelständische Unternehmen ab. Das Institut finanziert etwa Eisenbahnen, kleine Fluggesellschaften oder Einzelhändler. 700 Unternehmen haben derzeit Kreditlinien im Umfang von 3,9 Mrd. Dollar ausstehen. CIT hatte im Dezember bereits 2,3 Mrd. Dollar Staatshilfe erhalten.

Der CIT-Vorstand hatte vor einigen Jahren entschieden, vermehrt in hochriskante Wertpapiere wie etwa Subprime-Hypotheken zu investieren. Dadurch geriet das Institut zu Beginn der Finanzkrise deutlich unter Druck. Seit Ende 2007 hat CIT Verluste von 3,3 Mrd. Dollar verbucht.

Glück im Spekulations-Unglück hatte diesmal die Gemeinde Hartberg. CIT-Papiere befinden sich laut Bürgermeister Karl Pack "Gott sei Dank nicht im Portfolio" . (bpf, ag, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.7.2009)

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    Die US-Regierung verwehrte damit erstmals seit Ausbruch der aktuellen Krise im vergangenen Herbst einem Institut dieser Größenordnung Hilfe. Sollte die Bank in die Insolvenz gehen, wäre das die sechstgrößte Pleite in den Vereinigten Staaten seit 1980.

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