So ein Käse im Karst

28. Juli 2009, 16:12
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Gubana, my Lord, nur bitter für die Sau: Harald Fidler isst sich durch Michael Völkers Friaul-Menü, diesmal in der Gostilna Devetak

Sie erinnern sich vielleicht: ein Völker, ein Restaurantführer, wenn man dem Innenpolitikchef des STANDARD das Stichwort Friaul zuwirft. Vielleicht erinnern Sie sich auch auch an: "absolute empfehlung, wenn du es noch nicht kennst: devetak im karst. Kleiner ausflug, liegt in san michele im karst, 20 minuten von cormons, nicht ganz leicht zu finden, aber echt toll." Sind schon dort.

Prsut!

Mit Navi ist die Sache kein wirklich dramatisches Problem, und in der weiteren Umgebung kennt ohnehin praktisch jeder die Trattoria-Gostilna Devetak. Absolut zurecht, findet jedenfalls die atemberaubendste Mitesserin überhaupt. 

Fleischlos durchzukommen, ist kein gröberes Problem hier: Wir kombinieren, paar Tage her, einfach das Spargelmenü und das Frühlingsmenü, tauschen ein bisschen hin und her, und schon passt die Sache für beide Seiten. Ich komme zu meinem Rohschinkengruß aus der Küche, zu meinem wunderbar saftigen Prsut mit Kren und Rosmarin-Crostino. Zu meinem Eisbecher mit Mais-Erdäpfel-Polentina am Grund, darüber ein etwas suppiger Stockfischbrei plus Spargel drauf (nicht unbedingt mein Favorit, hat bisschen was von Schonkost, wenn man von den vereinzelten Gräten absieht).

Mit Käse geht es weiter

Sie wiederum kommt zu ihrem Hopfensprossen-Mousse im Ei mit grünem, schon recht bitterem Wildspargel, aber der gehört ja so, soviel ich weiß. Vor allem aber zu ihrem Käse, von dem sie heute noch schwärmt. Ungefähr acht von drei möglichen Rufzeichen vergibt sie für die Caciotta-Variationen (klassisch mit Gurken, getrüffelt mit Frühlingskräutern in Frischkäseversion, vor allem aber gilt die Rufzeichenorgie dem Flan mit Bohnenkraut). Und sie hat, mit Verlaub, Recht.

Mit Käse geht es da gleich weiter, Chicche, Spätzle quasi, mit weißem und grünem Spargel und vor allem einer Art Fonduta aus Tabor und Fontina, erklärt man uns, schon wieder acht von drei möglichen Rufzeichen von nebenan. Dagegen sind "tv-media", "Österreich" und "Kronen Zeitung" ein Mailüfterl, satzzeichentechnisch betrachtet. Supeta mit Spargel ist indes eine eher langweilige Veranstaltung, immerhin komme ich mit einem ordentlichen Palatschinkenstück drin eine Ahnung, wie die breiteste Frittate der Welt aussehen muss.

Bitter für die Sau

Jetzt wird die Sache aber wirklich bitter: Ich kann nicht vorbei am Wildschweinragout, auch wenn ich gerade vorhin noch die saftigste Wildsau bei den Nachtigallen nicht weit von hier verdrückt habe. Und auch wenn dieses Wildschweinragout auf Kakao-Tagliatelle zu liegen kommt. Das klingt gefährlich, ist es auch. Für meine Geschmacksnerven, die Vollkornnudeln eigentlich praktisch immer großräumig umgehen, schmecken diese Teigwaren wie bittere Vollkornnudeln, zudem zu lange im Wasser. Da hilft die ganze Wildsau nix. Der traditionelle Spargelgang mit gekochtem Ei an meiner Seite okay, aber halt auch extrem bitter, findet der Dilettant.

Sorbet zwischendurch hilft praktisch immer weiter, jenes von Pink Grapefruit beziehungsweise Granatapfel hier fällt uns einfach zu süß aus, um seinen Zweck zu erfüllen.

Meine Tagliata vom Kalb in Streifen wiederum durchaus anständig, mit Spargel und sehr weichen Erdäpfeln, aber: Warum habe ich bloß die Rehkeule auf der Karte übersehen, die da gerade an mir vorbeigetragen wird. Zu spät, du rettest den Hauptgang nicht mehr. Und: Das Kalb muss man auch nicht gerade von der Tischkante stoßen. Und nebenan? Genau, Käse: Tomino gegrillt, dem Menü entsprechend auch hier grüner Spargel. Da kommt schon wieder ein Schock Rufzeichen von rechts geflogen. Gefolgt von einem sehr zufriedenen Lächeln.

Gubana, my Lord

Fehlt noch? Nein, kein Käsegang mehr, das schaffen wir nicht. Und ebensowenig, uns, jedenfalls ich mich, wie sonst gewohnt, gegen die Süßigkeiten zu wehren. Wär auch ein Fehler gewesen: Die in Hagebuttenschnaps eingelegten Walderdbeeren liefern den Digestif gleich frei Haus mit, dazu Madeira im Glas, und vor allem eine Art Schokotorte, die erfreulich an Gubana erinnert. Die Panna Cotta mit Erdbeeren kommt aber auch ganz gut an.

Und was hör' ich seither reflexartig von ganz nah neben mir, sobald ich nur an Friaul denke? Devetak! Mit mindestens neun Rufzeichen. Widerstand? Zwecklos.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Saftiger Prsut
    foto: fildler

    Saftiger Prsut

  • Chicche
    foto: fidler

    Chicche

  • Tagliata vom Kalb
    foto: fildler

    Tagliata vom Kalb

  • Panna Cotta mit Erdbeeren
    foto: fildler

    Panna Cotta mit Erdbeeren

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