Moderater Alkoholgenuss kann Alzheimer-Risiko senken

13. Juli 2009, 12:07
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37 Prozent geringeres Demenzrisiko bei Senioren mit ein bis zwei Drinks pro Tag

Wien - Ein moderater Alkoholgenuss, speziell Wein, wird bei mittelalten Erwachsenen mit einem reduzierten Risiko für Demenz in Verbindung gebracht. Ob dies auch bei älteren Erwachsenen oder bei solchen mit einer sogenannten "Mild Cognitive Impairment" (MCI), einer leichten Form der Denkschwäche, zutrifft, hat eine Gruppe von Wissenschaftern von der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem unter 3.069 Teilnehmern ab 75 Jahren untersucht. 482 davon hatten MCI. Die Studie lief über sechs Jahre und wurde bei einer Pressekonferenz anlässlich der Internationalen Alzheimer-Konferenz (ICAD) am Montag in Wien präsentiert.

Geringeres Demenzrisiko bei Teilnehmern ohne MCI

Der Alkoholkonsum der Teilnehmer wurde in die Kategorien "Keinen", "Einen bis sieben Drinks pro Woche", "Acht bis 14 Drinks pro Woche" und "Mehr als 14 Drinks" eingeteilt und selbst aufgezeichnet, berichtete eine der Studienautoren, Kaycee Sink. Alle sechs Monate wurden die Betroffenen untersucht. Die Ergebnisse zeigten ein 37 Prozent geringeres Demenzrisiko bei Teilnehmern ohne MCI bei einem moderaten Alkoholkonsum mit ein bis zwei Drinks pro Tag. Bei MCI-Patienten hingegen dürfte Alkoholkonsum zu einem schnelleren kognitiven Rückgang führen. Bei Teilnehmern mit MCI und mehr als 14 Drinks pro Woche zeigte sich sogar ein fast doppelt so hohes Demenzrisiko im Vergleich mit MCI-Antialkoholikern.

Posttraumatische Belastungsstörungen erhöhen Demenz-Risiko

Die Studie eines Forscherteams rund um Kristine Yaffee vom San Francisco VA Medical Center zeigte, dass Veteranen mit Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD) ein fast doppelt so hohes Risiko haben, an Demenz zu erkranken. PTSD, wie sie häufig bei Kriegsveteranen auftreten, stehen vermutlich mit reduzierten kognitiven Fähigkeiten in Verbindung.

Die Forscher untersuchten insgesamt 181.093 Veteranen ab 55 Jahren, 53.155 davon mit PTSD. Sie verfolgten die Entwicklung der Teilnehmer von 2001 bis 2007 und beobachteten, ob neue Fälle von Alzheimer bzw. Demenz diagnostiziert wurden. Unter den PTSD-Patienten zeigte sich eine Demenz-Neuerkrankung-Rate von 10,6 Prozent, bei denen ohne PTSD eine Rate von 6,6 Prozent. Berücksichtigt man demografische, medizinische oder psychiatrische Komorbiditäten (zusätzliche zur Grunderkrankung vorliegende Krankheitsbilder, Anm.), hatten Patienten in dieser Studie mit den Störungen ein fast doppelt so hohes Risiko.

Mangelnde Kenntnisse über Demenz

Eine weitere Untersuchung von Wissenschaftern rund um Colleen Jackson von der University of Connecticut unter rund 690 Erwachsenen ergab, dass die Teilnehmer aus den USA, Kanada, England, Schottland und Irland nicht unbedingt gut über Risiko- und Schutzfaktoren von Demenz Bescheid wissen. 64 Prozent der Befragten lagen z. B. falsch mit ihrer Annahme, dass Alzheimer und Adipositas oder Bluthochdruck nicht in Verbindung stehen würden. 66 Prozent wussten auch nicht, dass hoher Stress einen Risikofaktor darstellt bzw. 34 Prozent war nicht bekannt, dass Bewegung ein möglicher Schutzfaktor ist. Immerhin aber wussten 94 Prozent, dass Alzheimer nicht zu den "normalen" Alterungserscheinungen gehört und dass eine Entstehung nicht ausschließlich auf genetischen Faktoren beruht. (APA)

  • Moderater Alkoholgenuss reduziert bei mittelalten
Erwachsenen das Demenzrisiko. Ob dies auch bei älteren Erwachsenen zutrifft, untersuchten Wissenschafter
von der Wake Forest University School of Medicine
    foto: standard/matthias cremer

    Moderater Alkoholgenuss reduziert bei mittelalten Erwachsenen das Demenzrisiko. Ob dies auch bei älteren Erwachsenen zutrifft, untersuchten Wissenschafter von der Wake Forest University School of Medicine

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