Zehn Häuser in Wien kurzzeitig besetzt

10. Juli 2009, 11:34
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Gruppe "Hausprojekt" brachte Transparente an und fordert Gesetz zur unkommerziellen Nützung von leer stehenden Häusern

Wien - Zehn in Wien leer stehende Häuser hat die Gruppe "Hausprojekt" in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kurzfristig besetzt und mit Transparenten versehen. Mit der Aktion wolle man zeigen, dass 80.250 Wohnungen in der Bundeshauptstadt leer stehen, so Aktivistin Edith Rauch gegenüber derStandard.at. Die Gruppe fordert ein "Gesetz zur unkommerziellen Nützung von Leerstand und ein Haus, um selbst verwaltete Sozialprojekte realisieren zu können".

"Der Hintergrund der leer stehenden Gebäude ist immer ähnlich" so Rauch. Es gehe um Profite und Mietpreisspekulation, nicht um die Bedürfnisse der Menschen. Einige Gebäude würden der Stadt Wien gehören und wären sozialen Zielen gewidmet gewesen, bevor sie an Privatunternehmen verkauft wurden. Jene, die unter Denkmalschutz stehen, könnten nicht gewinnbringend verwendet werden und stünden deshalb leer. Beispiele dafür seien das Haus "Zum Füchsel" in der Praterstraße 10 oder die Villa Hohe Warte, die ursprünglich als Waisenhaus gewidmet war. Beide Häuser wurden bereits in der Vergangenheit besetzt und waren auch Gegenstand der jüngsten Aktion.

"Häuser sind zum Wohnen da"

An insgesamt zehn Häusern, darunter drei in der Hernalser Hauptstraße, wurden Transparente mit Aufschriften wie "Leerstandsbelebung! Hausprojekt jetzt!" oder "Häuser sind zum wohnen da, nicht zum kaputt spekulieren" angebracht. Die Objekte sind quer über Wien verteilt und wurden laut Rauch ausgesucht, weil sie seit Jahren leer standen.

Mit den Besetzungen will die Gruppe auf den Leerstand von insgesamt 80.250 Wohnungen bzw. 4.830.000 Quadratmetern in Wien aufmerksam machen. Gefordert wird ein Gesetz zur Leerstandsnutzung, das Mietpreisspekulation entgegenwirkt und die Umsetzung vielfältiger sozialpolitischer Projekte ermöglicht.

Laut Rauch hat die Gruppe "Hausprojekt" in den vergangenen Jahren elf länger anhaltende Besetzungen organisiert, um ein selbst verwaltetes Sozialzentrum zu schaffen. Das Zentrum soll unter anderem ein Nachbarschaftscafé mit Preisen auf Spendenbasis, einen Veranstaltungsraum in dem sich lokale Initiativen treffen und Veranstaltungen organisieren können sowie einen Kost-Nix-Laden, in dem Güter ohne Gegenleistung abgeholt und nicht mehr gebrauchte Dinge vorbeigebracht werden können, beinhalten. (red, derStandard.at, 10. Juli 2009)

  • Transparente an zehn leer stehenden Häusern in Wien hat die Gruppe "Hausprojekt" angebracht.
    foto: hausprojekt

    Transparente an zehn leer stehenden Häusern in Wien hat die Gruppe "Hausprojekt" angebracht.

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