Parlamentarier enthüllt Praxis der "ausgelagerten Folter"

8. Juli 2009, 09:50
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Laut Guardian: Britischer Geheimdienst MI5 bot verurteiltem Terroristen Geld an, damit er Foltervorwürfe widerruft

Der frühere konservative Schatten-Innenminister und Parlamentarier David Davis hat neue Foltervorwürfe gegen den britischen Geheimdienst MI5 und die Polizei von Manchester geäußert. Laut eines Artikels in der Tageszeitung Guardian enthüllt Davis, wie eine Anti-Terror-Operation auf direktem Weg zu "brutaler Misshandlung" eines Verdächtigen in Pakistan führte. 

Während Informationen dieser Art bislang unter Berufung auf geheime Gerichtsanhörung der breiten Öffentlichkeit verborgen geblieben waren, zeichnet Davis nun die Verschleppung des Terrorverdächtigen Rangzieb Ahmed in die Hände des pakistanischen Geheimdienstes ISI nach. Obwohl gegen ihn in Großbritannien wegen schwerwiegender Delikte in Zusammenhang mit Terrorismus ermittelt wurde, flog Ahmed demnach 2006 unter Polizeibeobachtung in die pakistanische Hauptstadt Islamabad.

Laut Davis informierten die britischen Behörden ISI von der Reise des Verdächtigen und empfahlen seine Festnahme, obwohl sie über die Verhörmethoden der Pakistanis Bescheid wussten. London überspielte Islamabad eine Liste mit Fragen, die ISI Ahmed stellen sollten.

13 Tage nach seiner Verhaftung wurde Ahmed auch von Agenten der britischen Dienste MI5 und MI6 verhört, obwohl er nach britischer Auffassung unrechtmäßig in Haft saß. Die Spuren der Folter seien unübersehbar gewesen, beschreibt Davis: sexuelle Erniedrigung, Schlafentzug, Schläge, gezogene Fingernägel. "Ein offensichtlicherer Fall von ausgelagerter Folter ist kaum vorstellbar", sagt der Parlamentarier.

Nach 13 Monaten in pakistanischer Haft wurde Ahmed nach Großbritannien abgeschoben und wegen Mitgliedschaft in der Al Quaida zu lebenslanger Haft verurteilt. Wie der Guardian berichtet, soll Ahmed von MI5-Beamten ein Deal angeboten worden sein: er solle seine Klage gegen Großbritannien wegen der erlittenen Folter widerrufen, dafür könne seine Strafe gemildert werden oder Geld an ihn ausbezahlt werden.

Sollten diese Vorwürfe wahr sein, so David Davis, "dann wäre dies offen gesagt monströs." (red)

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