Spritsparen in Schweden: Die Summe macht das Ergebnis

8. Juli 2009, 16:51
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Volvo speckt ab und rüstet auf: Null Verbrauch als Ziel

Wir sind insgesamt 2600 Kilometer geflogen und haben einiges an Kerosin rausgeblasen, um dann vor Ort Sprit zu sparen. Vor Ort war in diesem Fall Stockholm, und das mag jetzt ein wenig pervers klingen. Dort haben wir gezeigt, wie sparsam man unterwegs sein kann.

Wie auch alle anderen Automarken versucht Volvo, den Verbrauch und den CO2-Ausstoß seiner Flotte radikal zu senken. Im Prinzip lautet der Auftrag: gegen null. Das wird noch dauern, derweil begnügt man sich mit bescheideneren, aber immer noch engagierten Zielen. Der kleine Volvo C30 mit dem 1,6-Liter-Dieselmotor (109 PS) kommt mit dem Start-Stopp-System, bei dem sich der Motor im Stillstand abschaltet, auf einen durchschnittlichen Verbrauch von 3,9 Liter auf hundert Kilometer und auf einen CO2-Ausstoß von 104 g/km.

Unterschied zur Praxis

Wer sich wundert, dass zwischen den Herstellerangaben auf dem Papier und den tatsächlichen Verbrauchswerten in der Praxis ein ziemlicher Unterschied ist, kann aufgeklärt werden: Die Verbrauchsangaben basieren auf dem EU-Fahrzyklus. Der umfasst eine Zeitspanne von zwölf Minuten, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 33 km/h. Sämtliche Verbraucher wie Radio oder Klimasystem sind dabei ausgeschaltet. Das entspricht natürlich kaum den Bedingungen im Alltag.

Insgesamt machen die Nebenverbraucher wie Klima- oder Audiosystem etwa zehn Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Der persönliche Fahrstil kann sich noch einmal mit 20 Prozent mehr Verbrauch niederschlagen.

Um den Verbrauch effizient zu senken, gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, und nur gemeinsam zeigen sie auch Wirkung. Am Beispiel Volvo: Mit einem Start-Stopp-System lässt sich der Kraftstoffverbrauch um vier bis fünf Prozent reduzieren, im extremen Stadtverkehr mit vielen Ampeln sogar um bis zu acht Prozent.

Eine Rolle spielt auch die Aerodynamik. Volvo hat bei Fahrzeugen aus dem DRIVe-Angebot etwa die Karosserie abgesenkt. Zur Reduzierung des Luftwiderstands wurde beim V70 der Kühlergrill abgedeckt - mehr Luft ist nicht nötig.

Weniger Reibungsverluste

Wesentlich ist die Optimierung des Antriebsstrangs, eine spezielle Motorsoftware und veränderte Getriebeübersetzungen insbesondere im dritten, vierten und fünften Gang. Die Effizienzsteigerung geht bis zur Reduzierung von Reibungsverlusten im Antriebsstrang oder verringerter Motor-Pumpverluste. Wichtig übrigens: Vorderradantrieb. Allrad säuft.

Was auch hilft: rollwiderstandsoptimierte Reifen und eine energieeffiziente Lenkservopumpe.

In Stockholm machten wir den Praxistest. Zuerst mit dem kleinen Volvo C30 aus der DRIVe-Serie. Und tatsächlich: Wir konnten die Verbrauchsangabe von 3,9 Liter unterbieten: 3,8 Liter standen schließlich auf dem Bordcomputer. Wir hatten den Wagen zwar nicht getragen, waren aber extrem vorsichtig unterwegs, auch auf der Autobahn. Dann der große Geländewagen XC70 2.4D mit immerhin 175 PS: Wir kamen auf 6,4 Liter Verbrauch, konnten die Werksangabe von 6,0 also nicht unterbieten. Dennoch ist das für diesen Riesenkübel ein anständiger Wert. Und klar ist auch: Mit Blödfahren wäre ein Wert um das Doppelte auch möglich gewesen. Letztendlich kommt es bei allen technischen Möglichkeiten immer noch auf die Fahrweise an. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/3.7.2009)

  • Fahren, um zu sparen: Gerade auch in den stärkeren Modellen machen die Spritsparmaßnahmen Sinn.
    foto: werk

    Fahren, um zu sparen: Gerade auch in den stärkeren Modellen machen die Spritsparmaßnahmen Sinn.

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