Langenzersdorfer streiten mit Stift um die Pacht

5. Juli 2009, 21:30
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Der Pächterverein Langenzersdorf kämpft gegen Grund-Besitzer Stift Klosterneuburg - Er fürchtet, dass Häuser Wohnsiedlungen weichen müssen

Klosterneuburg/Langenzersdorf - Die Sicht der Dinge könnte unterschiedlicher nicht sein: Langenzersdorfer Pächter fühlen sich von ihrem Grundstückseigner, dem Stift Klosterneuburg, ungerecht behandelt und fürchten um die Zukunft ihrer Eigenheime. Im Stift Klosterneuburg meint man dagegen, man halte den Pächtern als sozialer Grundstückseigner den kleinen Finger hin und diese griffen nach der ganzen Hand.

Einige Betroffene haben sich zu einem Pächterverein zusammengetan - mit dem das Stift aber nicht redet. "Die Pächter können jederzeit einzeln kommen, aber mit dem Verein müssen wir nicht reden. Er ist kein Vertragspartner von uns", sagt Stiftssprecher Peter Schubert.

Höherer Zins

Die Vorwürfe: Das Stift vergebe nur noch befristete Pachtverträge für Grundstücke, auf denen ihre Häuser stünden. Jene Verträge, die vor Jahrzehnten mündlich abgeschlossen wurden, würden bei Gelegenheit auf befristete Verträge abgeändert, und das, ergänzt Vereinsobmann Gerd Teply, "obwohl Pächter dazu verpflichtet worden sind, auf dem Grund ein Haus zu bauen." Außerdem vervierfache sich der Pachtzins bei Vererbung oder Verkauf des auf dem Grundstück erbauten Hauses. Erben könnten es sich daher nicht mehr leisten, das Haus zu übernehmen und auf dem Grund zu bleiben. Auch das Haus zu verkaufen sei ob der Teuerung nicht mehr möglich.

Das Augustiner-Chorherren-Stift in Klosterneuburg besitzt seit Jahrhunderten zahlreiche Immobilien und Grundstücke in Wien und Niederösterreich - und hat rund 4000 Pächter. Die Angelegenheit in Langenzersdorf sieht man dort ganz anders: "Es gibt verschiedene Vertragsformen, zwischen denen die Pächter wählen können", sagt Schubert. Außerdem seien die nun in Verruf geratenen Fünf-Jahres-Verträge immer üblich gewesen. Das Stift wolle aber ohnehin "möglichst langfristige Verträge abschließen".

Die Teuerung streitet Schubert nicht ab: "Es gab 20, 30, 40 Jahre keine wirkliche Pachtzinserhöhung, die Preise wurden aus sozialen Gründen günstig gehalten", sagt Schubert. Von einer Vervierfachung des Pachtzinses könne aber keine Rede sein. Der Preis sei niedriger als der Regelpachtzins, und bei Erben betrage er davon auch nur die Hälfte.

Klage wird geprüft 

Ein vom Verein beauftragter Gutachter hielt fest, dass etwa die Hälfte der verlangten Regelpacht angebracht wäre. Die Pächter - rund 600 sollen den Verein laut Teply unterstützen - haben sich auch Hilfe von Arbeiterkammer und Bürgeranwalt geholt. Derzeit lässt man eine Feststellungsklage prüfen. Schubert meint, die Aufregung rühre daher, dass manche Pächter frühere Verträge ausgenützt, günstig auf dem Grund gelebt und ihr Haus dann teuer verkauft hätten. Das werde durch die Erhöhung der Pacht erschwert, weshalb manche dagegen ankämpften.

"Häuser werden geschleift"

Die Hausbesitzer haben inzwischen ganz andere Befürchtungen: "Es scheint alles darauf hinauszulaufen, dass das Areal nach zwei Generationen an einen Bauträger vergeben wird, der einheitliche Siedlungshäuser darauf baut. Die bestehenden Häuser werden geschleift", befürchtet eine Pächterin, die anonym bleiben möchte. Ihre Angst wird dadurch bestärkt, dass auf Stiftsgrund in Wien-Floridsdorf derzeit zwei Wohnanlagen errichtet werden.

Eines der Projekte entsteht auf den sogenannten Lorettogründen. Da auch dort nicht alles friktionsfrei abläuft, gibt es seit kurzem ein Mediationsverfahren mit Anrainern. Das zweite Bauvorhaben ist eine Wohnanlage beim Kinzerplatz, die auf einem Areal entsteht, das laut Stift immer Bauland gewesen, aber nie als solcher verwendet worden sei. Ein paar Leute nutzten es kostenlos und stellten kleine Hütten drauf. Diese wurden nun weggeräumt.

Zur Angst der Langenzersdorfer Pächterin, dass nach ihrem Tod ihrem Haus das gleiche Schicksal bevorstehen könnte, sagt Schubert: "totaler Holler." (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 6.7.2009)

  • Das Stift Klosterneuburg besitzt seit Jahrhunderten Grundstücke und
Immobilien in Wien und Niederösterreich. Es hat 4000 Pächter, in
Langenzersdorf fühlen sich einige ungerecht behandelt.
    foto: standard/newald

    Das Stift Klosterneuburg besitzt seit Jahrhunderten Grundstücke und Immobilien in Wien und Niederösterreich. Es hat 4000 Pächter, in Langenzersdorf fühlen sich einige ungerecht behandelt.

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