Kein Platz für Gymnasiasten in Linzer Horten

5. Juli 2009, 18:09
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Ferienbetreuung in städtischen Einrichtungen wegen gestiegener Nachfrage nur noch für Volks- und Hauptschüler

Linz - Frau A. und Frau M. schafften bisher den Spagat zwischen Karriere und Familie ganz gut - auch weil sie an ihrem Wohnort Linz passende Betreuungseinrichtungen für ihre Kinder fanden: Kinderkrippe, Ganztageskindergarten, Schülerhort. Doch der Wechsel ihrer Kinder ins Gymnasium stellt die berufstätigen Mütter vor ein echtes Problem: Wohin mit den Kids in den Sommerferien, die in Oberösterreich diesen Freitag beginnen? Denn Schüler der AHS-Unterstufe haben in den städtischen Horten nichts mehr verloren. Diese sind ab sofort nur noch für die Pflichtschüler geöffnet.

Seit 2006 sind die Schulerhalter verpflichtet, eine Nachmittagsbetreuung anzubieten. Die Stadt Linz kümmert sich daher nur mehr um "ihre" Pflichtschüler, für Schüler von Bundesschulen wie den AHS fühlt sie sich nicht zuständig. So hat die Stadt die Gymnasiasten, die bis dahin sehr wohl in den 31 städtischen Horten aufgenommen wurden, hinausgeworfen. Sozialstadträtin Ingrid Holzhammer (SPÖ) rechtfertigt diesen Schritt: Durch die Neuregelung, an jeder Schule ab einem Bedarf von 15 Schülern Nachmittagsbetreuung einführen zu müssen, sei die Nachfrage nach Hortplätzen für Pflichtschüler derart gestiegen, dass für Gymnasiasten nichts mehr frei sei. Anfangs gab es eine Übergangsregelung für Härtefälle, doch seit diesem Schuljahr gehe definitiv nichts mehr, erklärt die Stadträtin.

3000 Hortplätze gibt es derzeit in Linz, diese sind mittlerweile nur mehr für die Volksschüler gedacht. Die restlichen Pflichtschüler werden, ebenso wie die AHS-Unterstufler, am Schulstandort nachmittags beaufsichtigt. Grundsätzlich haben Frau A. und Frau M. dagegen auch keine Einwände. Im Gegensatz zum Hort existiert diese Nachmittagsbetreuung aber weder an schulfreien Tagen noch in den Ferien. Aus diesem Grund werden in diesen Tagen und Wochen die Horte in Linz auch wieder für Hauptschüler aufgesperrt. Einer der Horte hat in den Sommerferien durchgehend geöffnet, 110 Schüler sind laut Holzhammer angemeldet. Die anderen haben im August geschlossen. Insgesamt gebe es im Juli und August Betreuungsbedarf für 750 Kinder.

Teures Alternativprogramm

Frau A. und Frau M. glauben, die Lösung ihres Problems gefunden zu haben: Genauso wie die Hauptschüler sollten einfach auch die Gymnasiasten während der weniger frequentierten, schulfreien Wochen wieder in den Hort gehen dürfen. Doch so einfach geht das nicht, sagt Holzhammer: Nach der Gesetzesänderung sei einzig der Schulerhalter für die Betreuung verantwortlich. Einen Vorschlag könne die Stadt aber machen: Das "Aktiv-Tage-Programm" für alle Linzer Kinder bis 15. Das Programm enthalte auch Wochenangebote, sagt die Stadträtin. Doch diese kommen im Vergleich zum Hort teuer. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Haushaltsbruttoeinkommen von 1950 Euro zahlt eine monatliche Hortgebühr von 39,65 Euro plus Verpflegungskosten.

Eine Woche im Austria Camp am Mondsee kostet 193 Euro, eine Reitwoche in Weyer im Ennstal 349 Euro. Auch Wochenkurse in Linz belaufen sich durchschnittlich auf 90 Euro, die Tanzwoche beginnt zudem erst um 10 Uhr und endet bereits um 16 Uhr. Frau A. und Frau M. sind jedenfalls zum Schluss gekommen, dass es in Linz vielmehr "am politischen Willen" fehle, den Hort über den Sommer für alle Kinder unter 15 zu öffnen. (Kerstin Scheller/DER STANDARD-Printausgabe, 6. Juli 2009)

  • Im Hort nicht mehr bunt gemischt: Für Gymnasiasten ist im Sommer kein Platz
    foto: regine hendrich

    Im Hort nicht mehr bunt gemischt: Für Gymnasiasten ist im Sommer kein Platz

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