"Leonardo hat Gott nach seinem Abbild geschaffen"

3. Juli 2009, 17:45
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Grafikspezialistin bekräftigt "Negativ"-Hypothese aus den 90ern

Turin/London - Unter der Fülle von Hypothesen zur Entstehung des Turiner Grabtuchs befindet sich auch diejenige, wonach Leonardo da Vinci seinen eigenen Körper als Modell verwendet und damit ein Selbstporträt geschaffen habe. Diese These vertritt etwa die amerikanische Grafikspezialistin Lillian Schwartz, die sie in einer Dokumentation eines britischen Fernsehkanals präsentierte, berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera" am Freitag in der Online-Ausgabe. Zu ähnlichen Ergebnissen war die Schriftstellerin Vittoria Haziel bereits 1998 in ihrem Buch "La passione secondo Leonardo" ("Die Passion nach Leonardo") gekommen.

Indem Leonardo Da Vinci seinen eigenen Körper auf das Tuch projiziert habe, sei es ihm gelungen, das erste "Negativ" einer "Fotografie" herzustellen. Er habe "Brandmalerei" verwendet, bei der mit Hilfe eines glühenden Eisen ein Bild auf dem Tuch entstanden sei. Als Vorbild dafür habe er bloß eine mentale Vorstellung gehabt, die des gemarterten Leichnams Jesu. "Leonardo hat Gott damit nach seinem Abbild geschaffen", sagt Haziel. Obwohl die C14-Methode, durchgeführt in Laboratorien in Oxford, Tucson und Zürich, bisher gezeigt hat, dass die Turiner Sehenswürdigkeit aus dem Mittelalter stammt, ist die Schriftstellerin überzeugt: "Das Alter des Tuches ist nicht notwendig das Alter des eingeprägten Bildes."

Die These der toskanischen Schriftstellerin wurde nun durch die Grafikspezialisten Lillian Schwartz von der School of Visual Arts of New York unterstützt und vergangenen Mittwoch in einem britischen Fernsehkanal präsentiert. "Im Gegensatz zu Schwartz bin ich allerdings zu diesen Ergebnissen gekommen, indem ich - wie Leonardo - die Methode der Brandmalerei angewandt habe", kritisiert Haziel die Grafikerin Schwartz. Letztere war mit Hilfe von Computerscan und lichtempfindlichen chemischen Substanzen unter Einwirkung von Sonnenstrahlen zu ihrem Ergebnis gekommen.

Die Präsentation dieser These und die Auseinandersetzung darüber kommt gerade rechtzeitig, um neues Interesse zu wecken: 2010 wird das Turiner Grabtuch wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (APA/red)

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