Es lebe der Sport

6. Juli 2009, 15:53
22 Postings

Bewegung bedeutet für viele zunehmend Last, anstatt Notwendigkeit oder Freude - Motorik-Parks sollen einen neuen Zugang schaffen

Rolltreppenfahren statt Stiegensteigen und Computer- statt Fußballspielen: An die zehn Prozent der österreichischen Volksschüler sind übergewichtig. Weitere neun gelten als adipös, also als krankhaft übergewichtig. Laut einer Studie des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB-Austria) leiden Kinder, die im Alter von drei bis sechs Jahren keine ausreichenden Bewegungsmöglichkeiten hatten, auch im späteren Leben häufig an Gesundheitsschäden: Ein Tribut an die Bequemlichkeit.

Bewegungsparadies

Dass sich die Gesamtmotorik der Menschen verschlechtert, bereitet auch Roland Werthner, Sportwissenschafter, ehemaliger Zehnkämpfer und Dreispringer im heimischen Nationalteam Kopfzerbrechen. Während er im Brotjob Kinder und Jugendliche an einem Salzburger Leistungssportgymnasium und Athleten an der Bundessportakademie in Wien trainierte, tüftelte er in seiner Freizeit an Möglichkeiten, die Leute für mehr Bewegung zu begeistern.

Ein "Bewegungsparadies" sollte es sein; "wo man sich selbst bewegt und nicht, wie in Freizeitparks bewegt wird." Eine Oase für alle Altersstufen und alle Bevölkerungsschichten - ein neuer Zugang zum Sport, fernab von Doping und Leistungsdruck; fernab vom Einheitsbrei bestehender Kinderspielplätze und Generationenparks.

Natur und Bewegung

2002 wurde er schließlich im oberösterreichischen Gmunden eröffnet: Der erste Motorik-Park. Ein Parcours bestehend aus rund 150 Geräten, der dem Benutzer sowohl Geschicklichkeit, Ausdauer, als auch Geduld abverlangt. Die Verbindung verschiedenster Übungen mache den Park besonders effektiv.

"Ich wollte sowohl Psyche als auch Körper ansprechen", sagt Werthner, "deshalb habe ich für die Geräte vor allem Holz und Stein verwendet." Auch die Wahl des Standorts sei wichtig: Den habe er sich immer wieder bei verschiedenen Licht- und Wettergegebenheiten angesehen, um seinen Motorik-Park möglichst optimal mit den landschaftlichen Gegebenheiten zu kombinieren. „Das Einbeziehen von Wald und Wasser treibt die Besucher zu mehr Bewegungsfreude. Schließlich ist es in der Natur schöner, als im Fitnessstudio", sagt Roland Werthner.

Auch im Ausland

Mittlerweile gibt es in Österreich sieben Motorik-Parks, die kostenfrei von rund 5.000 Besuchern täglich genützt werden. Aus einem Umkreis von 40 bis 50 Kilometer würden sie anreisen, um über Holzbalken zu balancieren oder über Wippen zu laufen. Finanziert werden die Parks von Ländern, Gemeinden und den jeweiligen Tourismusverbänden.

Auch im Ausland melden sich Interessenten: Bald sollen Werthners Motorik-Parks in Berlin und im australischen Melbourne entstehen. Neuerdings entdeckt Werthner auch immer öfter Kopien seiner TÜV-getesteten Geräte in diversen Katalogen. Er nimmt´s locker: „Das zeigt mir, dass das Konzept gut ankommt." (bock, derStandard.at, 06.07.2009)

  • Der erste Motorik-Park eröffnete in Gmunden - mittlerweile gibt es in Österreich sieben Motorik Parks
    foto: roland werthner

    Der erste Motorik-Park eröffnete in Gmunden - mittlerweile gibt es in Österreich sieben Motorik Parks

  • Different Walking
    foto: roland werthner

    Different Walking

  • Der Motorik-Park besteht aus rund 150 Geräten, die dem Benutzer  sowohl Geschicklichkeit, Ausdauer, als auch Geduld abverlangen
    foto: roland werthner

    Der Motorik-Park besteht aus rund 150 Geräten, die dem Benutzer sowohl Geschicklichkeit, Ausdauer, als auch Geduld abverlangen

Share if you care.