Israel ehrt Fluchthelferin

2. Juli 2009, 18:32
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Salzburger Wirtin half tausenden Juden über die Tauern

Salzburg - "Es waren arme Menschen dabei, sie hatten nicht einmal einen Rucksack, da waren kleine Kinder, die hatten sie in einer Schachtel am Rücken, das Haus war oft voll. In der Nacht habe ich noch Mehlpapperl für die armen Kinder gekocht, ..." So erinnerte sich die 1985 verstorbene Wirtin des Krimmler Tauernhauses, Liesl Geisler, in ihren Aufzeichnungen an die Flucht tausender überwiegend osteuropäischer Juden im Sommer 1947 über den Krimmler Tauern nach Italien. Der gefährliche Weg über den 2634 Meter hohen Passübergang wurde für die Überlebenden des Holocaust notwendig, nachdem die französischen Behörden die Grenzen über den Brenner für die Flüchtlinge geschlossen hatten.

Geislers Engagement sei ein Akt "selbstverständlicher Menschlichkeit" gewesen, so der Botschafter Israels in Wien, Dan Ashbel, im Standard-Gespräch. Ashbel wird Freitagabend den Verwandten der Tauernwirtin eine Ehrenurkunde der Jewish Agency for Israel übergeben. Diese 1929 gegründete Organisation war bis zur Gründung des Staates Israel 1948 offizielle Repräsentantin des jüdischen Volkes. Heute ist die Jewish Agency für die Einwanderungspolitik Israels zuständig. Die Feierstunde für die couragierte Wirtin ist Höhepunkt des diesjährigen Alpine Peace Crossing. Bei dieser Gedenkwanderung von Krimml nach Italien wird alljährlich dem jüdischen Exodus 1947 gedacht.

In der Heimat Geislers tut man sich mit der Anerkennung der Fluchthelferin deutlich schwerer. Zwar hat Landesrätin Doraja Eberle (ÖVP) bereits vor zwei Jahren einen nach Geisler benannten "Salzburger Preis der Menschlichkeit" angekündigt, geschehen ist seither freilich nichts. Aus einer Anfragebeantwortung Eberles im Landtag geht hervor, dass man erst bis Ende 2010 mit den Vorbereitungen für eine Salzburger Menschlichkeitsauszeichnung fertig werde. Offen bleibt übrigens, ob dieser Ehrenpreis dann auch wirklich Liesl Geisler gewidmet wird, oder einen nur allgemein humanitären Titel bekommt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.7.2009)

 

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