Ein stiller neuer Chef für die IAEO

    2. Juli 2009, 18:07
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    Der Japaner Yukiya Amano wird IAEO-Generaldirektor

    Das so hartnäckige wie geduldige Lobbying Japans hat sich ausgezahlt: Yukiya Amano, derzeit Botschafter Tokios bei der Internationalen Atomenergieorganisation in Wien, wird neuer IAEO-Generaldirektor ebendort. Mit seiner Wahl im Gouverneursrat am Donnerstag erreicht der 63-jährige Karrierediplomat den Zenit einer an einflussreichen Positionen nicht eben armen Laufbahn.

    Der als musterhaft, zurückhaltend und auch ein wenig blass geltende Botschafter ist seit beinahe 40 Jahren im diplomatischen Dienst Japans. Auf Abrüstungsfragen spezialisierte sich der Jurist - "ich habe sofort gefühlt, dass ich an dieser Stelle meinem Land einen Dienst erweisen könnte" - früh. Er hatte Abteilungsleitungen für Wissenschaft wie für Nuklearenergie im japanischen Außenamt inne, später übernahm er die Sektionen für Rüstungskontrolle und zuletzt jene für Abrüstung und Nonproliferation. 2005 schließlich schickte Tokio Amano nach Wien - wohl nicht ohne den Hintergedanken, dass er den langjährigen "GD" Mohamed ElBaradei einst beerben könnte.

    Die Wahlkampagne für Amano war von langer Hand geplant und lief äußerst diskret ab. Vergangenen September dann wurde der Botschafter offiziell als Kandidat nominiert. Bei Probeabstimmungen im Frühjahr erwiesen sich seine Gegenkandidaten, insbesondere der Südafrikaner Abdul Samad Minty als zähe Rivalen. Nach der knappen Wahl erging sich Amano dennoch nicht im Triumph. Er sagte nach seiner Wahl schlicht, er sei "sehr erfreut"

    Die Aufgaben, die nach seinem Amtsantritt im Spätherbst warten, sind groß. Der Japaner hat angekündigt, die IAEO weniger stark politisieren zu wollen als sein ägyptischer Vorgänger ElBaradei. Mit der Unterstützung im Gouverneursrat dürfte der von einigen als "schwacher Kommunikator" bezeichnete Amano sich allerdings schwertun, einen breiten Konsens in der Organisation herzustellen. Expertise hat er jedenfalls auch für die anstehende Reform des Atomsperrvertrages, über dessen Ausweitung er schon 1995 verhandelte.

    Im Atomstreit mit dem Iran geht der neue IAEO-General konform mit der Linie der USA. Die neue Linie von US-Präsident Barack Obama, mit Teheran zu sprechen statt das iranische Regime zu boykottierten, lobte er öffentlich.

    Amano ist verheiratet und kinderlos. Über das Privatleben des zurückhaltenden Diplomaten ist wenig bekannt, eine der großen Passionen des kommenden IAEO-Chefs soll das Golfspiel sein. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 3.7.2009)

     

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