EU-Beitrittsländer müssen massiv Infrastruktur aufbauen

20. März 2003, 17:02
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Bis 2015 90 Milliarden Euro für Bahn und Straße - Berater sieht große Chancen für Österreichs Bauwirtschaft

Wien - Die EU-Beitrittsländer haben noch einen enormen Nachholbedarf im Ausbau ihrer Verkehrsinfrastruktur. Einer am Donnerstag präsentierten Studie des internationalen Beratungsunternehmens A.T. Kearney zufolge müssen bis 2015 rund 90 Mrd. Euro in den Ausbau der Verkehrswege Osteuropas gesteckt werden - 44 Mrd. Euro davon in den Ausbau der Straße, 37 Mrd. Euro in die Erweiterung des Bahnnetzes und 9 Mrd. Euro in den Ausbau von Flughäfen und anderen Verkehrseinrichtungen.

Die größten Investitionen kommen dabei vor allem auf Polen zu. Nur 600 Kilometer - weniger als 15 Prozent - des relevanten Straßennetzes sind dort derzeit schwerverkehrstauglich. 70 Prozent des Straßennetzes sind in desolatem Zustand, die Hälfte davon umgehend sanierungsbedürftig.

"Großen Hoffnungsträger für heimische Industrie"

Nach Schätzungen des Beraters müssen in Polen in den nächsten 15 Jahren 17,5 Mrd. Euro für den Infrastrukturausbau aufgewendet werden, gefolgt von Tschechien mit 5,8 Mrd. Euro, Rumänien mit 5,1 Mrd. Euro, Ungarn und der Slowakei mit je 4,6 Mrd. Euro sowie Slowenien mit 2,6 Mrd. Euro.

Gerade für Österreichs Bauindustrie stelle dieser Markt "einen großen Hoffnungsträger für die nächsten Jahre dar". A.T. Kearney-Bauexperte Stephan Horvath warnt allerdings vor einer immer größer werdenden Lücke zwischen dem steigenden Investitionsbedarf und den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln. Wenn sich daran nichts ändere, drohten die Defizite in der Verkehrsinfrastruktur den wirtschaftlichen Aufschwung im Osten erheblich zu bremsen.

Public-Private-Partnership

Der Berater geht daher davon aus, dass verstärkt so genannte Public-Private-Partnership (PPP)-Modelle zum Tragen kommen werden, bei denen die Staaten gemeinsam mit Privaten die Infrastruktur errichten. Österreichs Bauunternehmen und Banken hätten laut Horvath dabei schon heute die perfekte Ausgangsposition, sich "einen Löwenanteil des Kuchens zu sichern". Österreichs größter Baukonzern, die Bauholding Strabag, habe 2001 etwa bereits 30 Prozent seiner Umsätze in Mittel- und Osteuropa erwirtschaftet und der Anteil der österreichischen Banken unter den Auslandbanken, die 57 Prozent des osteuropäischen Gesamtbankenmarktes dominieren, liege bereits bei 26 Prozent.

Wichtig sei im Hinblick auf PPP-Kooperationen aber die Bildung von Partnerschaften. "Entscheidend für den Erfolg wird nicht sein, den aggressivsten Preis für eine Bauleistungen anbieten zu können, sondern ein überzeugendes Gesamtpaket zu schnüren - von der Finanzierung über die Realisierung des Bauvorhabens bis hin zum Betrieb der Verkehrswege", meint der Berater.(APA)

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    foto: photodisc
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