"Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los": Ausgestorbene lieben länger

30. Juni 2009, 18:01
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Unter dem Eis entdeckt der US-Animationsfilm "Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los" eine paradiesische Parallelwelt voller Gefahren

Dem Zuschauer führt er seine Schauwerte mittels 3-D näher denn je.

Wien – Seit jeher ist das zentrale Um und Auf eines Blockbusters die Attraktion, mit der er unsere Sinne betören will. Da es nun bald 15 Jahre her ist, dass im Animationsfilm die digitale Wende erfolgte und die Toons an plastischer Überzeugungskraft gewannen, ist auch in diesem Bereich wieder innovativer Schwung nötig geworden. Die neueste Zauberformel heißt 3-D, ein eigentlich altes Mittel des Kinos gegen Konkurrenz durch neue Medien. John Lasseter, Guru der Kreativschmiede Pixar, verkündete in Cannes bereits, künftig alle Filme mit diesem zusätzlichen Schauwert ausstatten zu wollen.

Auch Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los (im Original: Dawn of the Dinosaurs) springt nun auf diesen Zug auf und lässt Eis und Tier in ausgewählten Kinos noch näher an den Zuschauer heranrücken. Im millionenschweren Franchise, das erstmals im Sommerloch platziert ist, wird unter der Regie von Carlos Saldanha ansonsten allerdings wenig umgestellt oder gar neu erprobt. So zugkräftig sind das Mammut-Ehepaar Manny und Ellie, Säbelzahntiger Diego, Faultier Sid und das ewig seiner Nuss hinterherjagende Eichhörnchen Scrat – der Solokünstler der Reihe, der ursprünglich nur für den Trailer konzipiert war -, dass nur zaghafte Anpassungen erfolgen dürfen.

Hierin liegt auch der große Unterschied zum Pixar-Studio, das sich mit jedem Film (demnächst mit dem fliegenden Senior in Oben / Up, ab 17. September in heimischen Kinos) an einem anderem Genre erprobt – und dabei auch an jene denkt, die Kinder ins Kino begleiten. Ice Age 3 ist da konservativer, und das gilt für szenische Kreativität, Dialogwitz wie für den Plot, der wiederholt auf die Bestätigung der Familien- und Freundschaftsbande setzt. Die Tiere bilden eine solidarische Zweckgemeinschaft in unsicheren Zeiten.

Für hormonelle Verwirrung in der Herde sorgt diesmal der anstehende Nachwuchs der Mammuts. Er führt dazu, dass sich Tiger Diego im Kreis der Patchwork-Familie unverstanden fühlt – ein Subplot, der schnell wieder vernachlässigt wird -, während Faultier Sid eigene Vater-(oder besser gesagt: Mutter-)lüste entwickelt und kurzerhand drei verwaiste Dinosauriereier abstaubt, aus denen alsbald drei T-Rex-Babys schlüpfen.

Der Ahab der Saurier

Paläontologische Gewissheiten spielen in Ice Age 3 also eine geringe Rolle. Und so verlagert sich das Abenteuerfilmen entlehnte Geschehen kurzerhand in eine paradiesische Parallelwelt, in der Flora und Fauna einer vergangenen Ära erhalten blieb. Auf der Suche nach dem entführten Sid stößt der Tross hier auf den unterhaltsamsten Neuzugang des Films, ein verwegenes Wiesel namens Buck, das – gleich Captain Ahab seinem Wal – einer Riesenechse hinterherjagt.

Doch auch dessen tolldreiste Sagengeschichten, die die visuell eindringlicheren Momente des Films abgeben, können nicht verdecken, dass sich der Film ein wenig schwerfällig von einer Station zur nächsten schleppt. Unter all den Giftpflanzen, Wackelsteinen und Lavaflüssen schimmern auch die Bausteine durch, mit denen man diese Produktion unter Garantie zum Erfolg führen will. Immerhin findet Scrat heraus, dass es im Leben mehr als eine Nuss zu knacken gilt – ihr Name ist übrigens Scratte. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 01.07.2009)

  • Verwegener Saurierjäger als Neuzugang in die Abenteuerherde: das Wiesel Buck aus dem Animationsfilmsequel "Ice Age 3".
    foto: centfox

    Verwegener Saurierjäger als Neuzugang in die Abenteuerherde: das Wiesel Buck aus dem Animationsfilmsequel "Ice Age 3".

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