Unbeugsam auch noch im Schlafanzug

29. Juni 2009, 18:34
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José Manuel Zelaya, abgesetzter Präsident von Honduras

In den ersten Telefoninterviews nach seiner Ankunft in Costa Rica war José Manuel Zelaya, der aus seiner Heimat hinausgeworfene Präsident von Honduras, hörbar echauffiert. "Ich bin noch im Schlafanzug und ohne Socken" , klagte der 58-Jährige, der am Sonntag früh von vermummten Soldaten aus dem Präsidentenpalast geholt und in ein Flugzeug gesetzt worden war. Er betrachte sich aber weiterhin als rechtmäßigen Präsidenten, sagte Zelaya.

Costa Ricas Präsident Óscar Arias pflichtete ihm bei. "Ich möchte klarstellen, dass meine Regierung diesen Putsch scharf zurückweist" , sagte Arias, ein Sozialdemokrat, der als Vermittler in zentralamerikanischen Konflikten 1987 den Friedensnobelpreis erhielt.

Für Zelaya, einen ursprünglich konservativen Bauingenieur und Unternehmer, der bei der politische Elite und der Militärführung von Honduras als Linksextremist in Verruf geraten ist, sind diese Unterstützungsworte Gold wert. 2006 hatte er die Präsidentschaftwahlen in dem armen, von Kriminalität geplagten Land knapp gewonnen. Während sein Gegenkandidat Porfirio Lobo zur Eindämmung jugendlicher Straßenbanden die großzügige Anwendung der Todesstrafe versprach, setzte Zelaya auf eine Verdoppelung der Polizeikräfte und soziale Integration.

2008 vollzog der neue Präsident von Honduras, das früher als US-abhängiges, von Staatsstreichen gebeuteltes Land die sprichwörtliche "Bananenrepublik" war, die Wende. Er trat der von Venezuelas linkem Präsidenten Hugo Chávez gegründeten Wirtschaftszone Alba bei und erwarb damit Anspruch auf günstiges Erdöl. Zelaya kritisierte die USA, die nichts Vergleichbares im Kampf gegen die Armut zu bieten hätten. Im März 2009 besuchte er Kuba, wo ihm Fidel Castro Streben nach sozialer Gerechtigkeit attestierte, das aus seiner christlichen Erziehung (durch Salesianer-Patres) komme.

Im Stil von Chávez strebte Zelaya eine Verfassungsreform und eine weitere Amtszeit an, was die Machtelite von Honduras gegen ihn aufbrachte. Doch anders als früher, als die USA Staatsstreiche ihrer Verbündeten akzeptierten, forderte Präsident Barack Obama nun eine friedliche Verhandlungslösung.

Während Zelaya zu Wochenbeginn in Nicaragua, mit der Unterstützung von Chávez, seine Rückkehr vorbereitete, meldete sich aus einem Versteck in den Bergen von Honduras Inés Xiomara Castro. Zelayas Ehefrau und Mutter seiner vier Kinder forderte auf CNN, "um Christi Blut willen" die Position ihres Mannes und das Leben seiner Familie zu respektieren. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2009)

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