Opel hat ausreichend Liquidität

29. Juni 2009, 15:42
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Der Autohersteller muss offenbar die staatliche Brückenfinanzierung nicht ausschöpfen, eine Beteiligung der Opel-Händler ist unwahrscheinlich

Rüsselsheim - Die Finanzlage des deutschen Autoherstellers Opel scheint deutlich weniger kritisch als lange befürchtet. Wie aus unternehmensnahen Kreisen am Montag verlautete, wird das Unternehmen die staatliche Brückenfinanzierung von 1,5 Mrd. Euro nicht ausschöpfen. Auch eine finanzielle Beteiligung der Opel-Händler ist offenbar zur Rettung von Opel nicht mehr nötig.

Von der staatlichen Brückenfinanzierung soll nach aktueller Planung ein Betrag von 300 Mio. Euro als Reserve erhalten bleiben. Dies habe Opel-Finanzchef Marco Molinari am vergangenen Freitag im Aufsichtsrat des Unternehmens mitgeteilt, hieß es in informierten Kreisen weiter. Die staatliche Brückenfinanzierung habe Opel mindestens bis Oktober, möglichst aber bis Jahresende absichern sollen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt soll Opel in den Händen neuer Eigentümer sein. Derzeit verhandelt der Opel-Mutterkonzern General Motors vor allem mit dem kanadischen Zulieferer Magna über einen Einstieg.

Zugleich wird eine direkte Beteiligung der Opel-Händler an dem Autohersteller zunehmend unwahrscheinlich. Magna habe deutlich gemacht, dass es besser sei, wenn sich die Händler an der Opel-Vertriebsorganisation beteiligen würden, sagte der Sprecher des Händlerverbands Euroda, Jaap Timmer, am Montag. Die Gespräche dazu sollten nach dem 15. Juli fortgesetzt werden. GM und Magna streben bis zum 15. Juli die Unterzeichnung eines Kaufvertrages an.

"Angebot aufrecht"

Timmer sagte, die Opel-Händler hielten ihr Angebot aufrecht. Sollte es aber eine Lösung ohne die finanzielle Beteiligung der Händler geben, "soll uns das recht sein". Der europäische Opel-Händlerverband hatte am 15. Mai in Wien beschlossen, in den kommenden drei Jahren pro verkauftem Neufahrzeug 150 Euro in einen Fonds einzuzahlen. Dieser Fonds sollte nach dem Willen von Euroda mit bis zu 500 Mio. Euro rund 20 Prozent der Anteile an Opel erwerben. In dem Verband sind rund 4.000 Opel-Händler aus 25 europäischen Ländern organisiert.

Der Treuhandbeirat eine Vorfestlegung auf einen Investor ab. "Wir ermutigen (die einstige Opel-Mutter) General Motors, sich alle ernsthaften Investoren anzuschauen und mit ihnen gleichberechtigt zu sprechen", sagte der Gremiumsvorsitzende Fred Irwin am Montag in Frankfurt. Ein frühzeitiger Zuschlag für einen Interessenten belaste den Verhandlungsspielraum und sei deshalb schlecht für den Verkäufer und die Opel-Mitarbeiter.

Damit kritisierte Irwin indirekt die Bundesregierung, die sich für Magna als Investor bei Opel ausgesprochen hatte. Der Zuschlag für das Konsortium um den kanadisch-österreichischen Zulieferer sei im Treuhandvertrag nicht verbindlich festgelegt worden.

Unterdessen droht der geplante Einstieg bei Opel für die Russen langsam zu teuer zu werden, wie die Moskauer Wirtschaftszeitung "Kommersant" schreibt. GM fordere in den kommenden Jahren mehr als 7 Mrd. Euro an Investitionen. Die Sberbank hatte bisher 500 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Nach russischen Schätzungen kostet es bis zu 700 Mio. Euro, um Opel-Wagen im GAZ-Werk in Nischni Nowgorod - das frühere Gorki östlich von Moskau an der Wolga - vom Band rollen zu lassen. Für das Geld könne man in Russland aber auch selbst eine neue Autofabrik bauen. Die Sberbank-Führung hatte zuletzt nicht ausgeschlossen, dass das Vorhaben von Magna und seinen russischen Partnern noch scheitern könnte. (APA/AP/dpa)

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