Jerusalem unter Druck der Ultraorthodoxen

28. Juni 2009, 17:09
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Strenggläubige gegen Öffnung von Parkplatz am jüdischen Ruhetag - Gegendemonstranten für "freies Jerusalem"

Jerusalem - Erneut heftiger Streit um den Sabbat: ultraorthodoxe Juden in Jerusalem haben sich wegen der Öffnung eines Parkplatzes am jüdischen Ruhetag heftige Zusammenstöße mit der Polizei geliefert. 57 Demonstranten wurden festgenommen. Fünf Polizisten hätten leichte Verletzungen erlitten, teilte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld am Sonntag mit. Ein Demonstrant sei während der Proteste von einer etwa drei Meter hohen Mauer gestürzt und habe sich schwer am Kopf verletzt. Der junge Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Tausende nicht strenggläubige Einwohner unterstützten die Entscheidung des Bürgermeisters Nir Barkat, den Parkplatz zu öffnen mit einer Gegenkundgebung. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Hier ist nicht Teheran" und "Freies Jerusalem". Es sei den Polizisten gelungen, eine Konfrontation der Teilnehmer beider Demonstrationen zu verhindern, sagte Rosenfeld. Der Abgeordnete Nizan Horowitz von der links-liberalen Merez-Partei sagte vor den Demonstranten: "Dies ist nicht nur ein Kampf um einen Parkplatz, sondern ein Kampf um die Identität Jerusalems als freie Stadt."

Bereits am Freitag hatten nach Angaben der Zeitung "Haaretz" etwa 40.000 ultra-orthodoxe Juden gegen die Öffnung des Parkplatzes protestiert. Mehrere Journalisten wurden angegriffen und mussten von der Polizei in Sicherheit gebracht werden, schrieb die Zeitung "Jerusalem Post". Die Ultra-Orthodoxen verurteilen die Entscheidung des Bürgermeisters als Verletzung der Sabbatruhe. Das jüdische Religionsgesetz verbietet am Sabbat jede Form von Arbeit und auch das Autofahren.

Bereits vor drei Wochen war es wegen der Öffnung des Parkplatzes zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Einer der Organisatoren der Demonstration, Rabbi Josef Rosenfeld, kündigte neue Proteste am kommenden Sabbat an, sollte der Parkplatz erneut geöffnet werden. (APA/dpa)

 

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    Flaschenwürfe in Jerusalem

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