Melzer schied nach großem Kampf aus

27. Juni 2009, 19:04
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Ein Satz gewonnen, zwei im Tiebreak verloren - Die Premiere am Centre Court war stark, aber nicht gut genug

London - Trotz einer ausgezeichneten Leistung ist Jürgen Melzer am Samstag in der 3. Runde des Tennis-Grand-Slam-Turniers in Wimbledon ausgeschieden. Der Niederösterreicher lieferte dem favorisierten US-Amerikaner Andy Roddick einen fast dreistündigen hochkarätigen Kampf, musste sich jedoch am Ende 6:7(2),6:7(2),6:4,3:6 geschlagen geben. Damit muss der 28-Jährige weiterhin auf seinen ersten Einzug in ein Grand-Slam-Achtelfinale warten.

Für den als Nummer sechs gesetzten Roddick war der neunte Sieg im neunten Duell mit Melzer Schwerstarbeit. "Jürgen hat toll aufgeschlagen. Speziell auf Rasen ist er ein extrem harter Gegner. Ich bin sehr glücklich, dass ich im Achtelfinale stehe", meinte Roddick nach dem verwandelten Matchball. Melzer, der als Nummer 26 gesetzt war, war der letzte österreichische Einzelvertreter in Wimbledon gewesen. Vor Melzer waren Daniel Köllerer, Stefan Koubek, Alexander Peya bzw. Sybille Bammer, Patricia Mayr und Tamira Paszek ausgeschieden.

Nahezu gleichwertig

Der erste Satz lief von Beginn weg auf ein Tiebreak hinaus. Die größte Chance auf ein Break fand Melzer vor, doch der Niederösterreicher ließ beim Stand von 2:2 zwei Chancen ungenützt. Im Tiebreak zog der 26-jährige Roddick mit einem Blitzstart auf 3:0 davon und setzte sich glatt 7:2 durch.

Im zweiten Durchgang bot sich den Zuschauern auf dem Centre Court - darunter Melzers Eltern Rudolf und Michaela - dasselbe Bild, es gab keinen einzigen Aufschlagverlust. Diesmal fand Roddick, Wimbledon-Finalist 2004 und 2005, die einzigen Breakchancen vor, beim Stand von 4:4 wehrte Melzer gleich drei Breakbälle ab. Im Tiebreak hatte neuerlich Roddick die besseren Nerven und siegte wie im ersten Satz 7:2.

Anfang des dritten Satzes hatte Roddick bei 2:1-Führung dreimal die Vorentscheidung auf dem Schläger, Melzer, bei dem in dieser Phase mehrmals der Schläger flog, wehrte jedoch alle drei Breakbälle ab. Und im darauffolgenden Game schaffte Melzer zum 3:2 das erste Break der gesamten Partie. Diesen Vorteil ließ sich Melzer nicht mehr nehmen, der dritte Satz ging mit 6:4 an den Deutsch-Wagramer.

Danach riss bei Melzer zunächst der Faden, Roddick nahm dem Österreicher zum 3:1 erstmals im Match das Service ab und schien damit wieder voll auf Kurs Richtung Achtelfinale. Doch Melzer brachte den Texaner noch einmal kurz vom Kurs ab und schaffte das Rebreak zum 3:4. Doch direkt darauf gab Melzer sein Service neuerlich ab und Roddick servierte schließlich zum 6:3 souverän aus, den Matchball verwandelte er mit seinem 33. Ass. Melzer hat damit auch sein elftes Drittrundenmatch in einem der vier Grand-Slam-Turniere verloren. Roddick trifft im Achtelfinale auf Tomas Berdych (CZE-20). 

"Jetzt sitze ich da und habe in 4 Sätzen verloren"

"Schade. Jetzt sitze ich da und habe in vier Sätzen verloren", meinte Melzer nach dem Drittrunden-Ausscheiden enttäuscht. Für den Niederösterreicher war es das erste Match auf dem altehrwürdigen Centre Court von Wimbledon. "Ich habe die Centre-Court-Atmosphäre recht gut bewältigt, außer in den beiden Tiebreaks. Sonst habe ich mir relativ wenig vorzuwerfen", erklärte der Niederösterreicher.

Melzer trauerte u.a. den zwei Breakchancen im ersten Satz beim Stand von 2:2 nach. "Ich habe versucht, die Breakbälle früh zu attackieren. Danach habe ich aber meine Taktik ein wenig geändert. Denn ich bin draufgekommen, dass ich der dominante Spieler bin, wenn der Ball länger im Spiel ist." Der Druck gegen einen Aufschläger wie Roddick (33 Asse im Match) sei eben gewaltig. "Der serviert dir eine Bombe nach der anderen", betonte Melzer.

Mit seiner eigenen Serviceleistung durfte Melzer ebenfalls sehr zufrieden sein. "Ich habe nicht so scharf, aber sehr genau serviert. Aber mein Ziel war, kein Break zu kassieren. Und das habe ich leider nicht ganz geschafft." Auch nach dem 0:2-Satzrückstand hatte Melzer die Flinte nicht ins Korn geworfen. "Ich habe mich sehr wohl gefühlt und immer an den Sieg geglaubt. Trotz des 0:2 hatte ich immer das Gefühl, dass ich es noch drehen kann." (APA)

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