Chancen in Zukunftsbranchen

26. Juni 2009, 17:00
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Gesundheit und Energie sind Bereiche, in denen eine Menge neuer Karrierechancen entstehen - Die Arbeitsplätze und Weiterbildungsmöglichkeiten reichen vom Management top-down bis zum Lehrling

Unsere Gesellschaft wird immer älter, deshalb sei am Gesundheitsbereich als Arbeitsmarkt mit Zukunft nicht zu rütteln, sagte Gabriele Graumann, Geschäftsführerin des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser, im aktuellen Karrierenforum. Mit Julia Zdrahal-Urbanek, Partnerin bei Dr. Rantasa Consulting, und vier weiteren Expertinnen und Experten diskutierte sie das Thema "Jobs der Zukunft - erfolgreich gegen den Strom". Diese Jobs gebe es auch in der Energiewirtschaft, die sich derzeit bester Gesundheit erfreue, wenngleich „die Krise auch an unserer Branche nicht spurlos vorbeigeht", so Robert Grüneis, Geschäftsführer der Wien Energie.

Chance mit Professional MBA

Als Vertreterin der Weiterbildungsindustrie unterstrich Astrid Kleinhanns, Managing Director der WU Executive Academy, "dass die Bereiche Gesundheit und Energie Zukunft haben", um sodann einen Einblick in das themenspezifische Angebot für Führungskräfte, die sich für die Veränderungen ihrer Einsatzgebiete wappnen möchten, zu geben. Beim Professional MBA Health Care Management könne sie jährlich auf 50 Neueinsteiger verweisen. Darunter finden sich Ärzte und Pfleger, die eine Krankenanstalts- oder Stationsleitung übernehmen sollen, aber auch Leute aus den Sozialversicherungen. Allen gemeinsam sei ein Mangel an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, die jedoch neben ihrer Gesundheitskompetenz im künftigen Tätigkeitsfeld unabdingbar sind.
Erst vor wenigen Wochen gestartet ist der Professional MBA in Energy Management. Seit vier Jahren habe es zu diesem Bereich "extrem viele Anfragen" gegeben, so Kleinhanns, die man nun erfüllen könne. Der Ansturm sei extrem, die Studierenden kommen u. a. aus den USA, Kanada, Nigeria und dem arabischen Raum, wobei etwa ein Drittel mit alternativen Energien zu tun habe. Der Rest stamme aus Öl und Gas fördernden bzw. verarbeitenden Unternehmen. Meist handle es sich dabei um Leute "mit einem technischen Background", denen es darum geht, „die Märkte zu verstehen".

Auch vom Management abwärts bieten die Arbeitsmärkte für Gesundheit und Energie einiges an Zukunftspotenzial. Der Gesundheitsbereich befinde sich im Umbruch, beschrieb Graumann die aktuelle Situation: Die öffentliche Hand als Eigentümer von Kranken- und Pflegeanstalten gerate unter finanziellen Druck - nicht nur wegen des Wirtschaftsabschwungs, sondern im Wettbewerb mit privaten Firmen wie der PremiaMed Management Gesellschaft (bis vor kurzem Humanomed Management), deren CFO Reinhard Hagenhofer sich ebenfalls zur Diskussion eingefunden hatte. Weil die Menschen zum Teil auch mehr Geld für eine individuelle Betreuung zur Verfügung hätten, wachse der Jobmarkt, führte Graumann aus.

Pflege und Betriebswirtschaft

Die "dienende Schwester" habe freilich ausgedient, es gebe eine Reihe „ausdifferenzierter Professionalisierungen". Zudem sei ein FH-Studium für „Pflegewissenschaftliche Gerontologie" in Entwicklung. Der darin neben der Pflegethematik vermittelte betriebswissenschaftliche Hintergrund werde auch Tätigkeiten in anderen sozialen Bereichen ermöglichen, so Graumann. Daneben werde das Kuratorium künftig mehr Lehrlinge für branchenspezifische Berufe aufnehmen - nächstes Jahr 63 statt bislang 40 - und engagiere sich in der Ausbildung von Heim- und Abteilungshilfen.

"Mit Heilung ist heute nicht viel zu gewinnen", gestand PremiaMed-CFO Hagenhofer in der Diskussion ein, auf eine zahlungskräftigere Klientel zu fokussieren. Das Geschäft liege bei den Zusatzangeboten. Sein Unternehmen biete den Kunden in den Ambulanzen, Privatkliniken und Rehabilitationszentren eine „Hotelkomponente". Ausbildungs- und Arbeitsplätze bietet PremiaMed auch künftig nicht nur in der Pflege, sondern in Gastronomie, Zimmerservice und Verwaltung.
Die Chancen der Energieunternehmen - sowohl was die künftige Produktion und Kundenbindung als auch was die Mitarbeiterakquise betrifft - lägen bei alternativen, erneuerbaren Energiequellen, waren sich Wien-Energie-Geschäftsführer Grüneis und Harald Pickl, Vorstandsvorsitzender des Kombikraftwerk-Unternehmens A-Tec Power Plant Systems, einig. 

Pickl erklärte, dass er sehr gut mit Leuten fahre, die andere Unternehmen in die Pension schicken. Diese „fühlen sich für den Ruhestand aber oft noch zu jung" und führten in Zusammenarbeit mit FH-Abgängern zu einem wertvollen „Generationenmix". Oft seien ihm aber HTL-Abgänger noch lieber, die noch „unverbraucht" seien, in Bezug auf ihre EDV-Skills den Hochschulabsolventen aber nicht weit hinterherhinkten. (mad, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.6.2009)

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    Energie und Gesundheit haben Zukunft am Jobmarkt

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