Im Wendekreis des Käfers

28. Juni 2009, 17:05
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Jacques Tati saß hinter dem Volant eines 2CV. Mister Bean fährt, an der Windschutzscheibe klebend, ungelenk seinen Mini

Heinz Rühmann lenkte in mehreren Filmen einen VW Käfer, ebenso wie Gunter Philipp und Peter Alexander. Jedes Gefährt erfährt seine eigene Historie und sein Image mittels der Filmgeschichte. Wie James Bond in schnittigen rasanten Autos bei kurvenreichen Ladys Eindruck schindet, besticht der VW Käfer selbst durch seine glänzenden, verchromten, formvollendeten Rundungen.

Zur Historie des automobilen Perpetuum mobile: Ende 1945 begann in Wolfsburg die Serienproduktion der Volkswagen-Limousine, die im Volksmund bald zum Käfer mutierte. Der letzte Vertreter der legendären Baureihe verließ 2003 in Puebla, Mexiko, das Fließband. Dazwischen lag eine Erfolgsgeschichte mit 21.529.480 gebauten Fahrzeugen. Das in Form an einen Käfer gemahnende Design blieb weitgehend unverändert; die Technik passte sich den Erfordernissen an. Über das Nachfolgemodell New Beetle echauffierte sich (zumindest in Europa) kaum jemand.

Wie ein VW Passat das Image einer verlässlichen, etablierten Familienkarosse hat, ein Porsche, ein Ferrari oder ein Lamborghini als testosteronbetriebenes Phallussubstitut gilt, hatte der Käfer zeit seines Bestehens den Nimbus der Unabhängigkeit, der juvenilen Leichtigkeit und des bourgeois-revolutionären Nonkonformismus. Charles Bukowski alias Henry Chinaski pendelt in seinen Storys zwischen Bar, Bett und Pferderennbahn in einem roten Käfer. Die holde Weiblichkeit war der "backseat education" des Chauffeurs vollendeter Rundungen nicht abgeneigt. Historie und Image versus Realität. (Gregor Auenhammer/DER STANDARD/Automobil/26.6.2009)

  • Reinhard Lintelmann: "VW-Käfer und New Beetle"144 Seiten, Komet-Verlag 2009, € 10,50,-
    foto: komet-verlag

    Reinhard Lintelmann:
    "VW-Käfer und New Beetle"
    144 Seiten, Komet-Verlag 2009, € 10,50,-

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