Rundschau: Agenten, Aliens & Analstöpsel

    18. Juli 2009, 13:13
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    Romane von Philip K. Dick, Neal Asher, Patrick Ness, Warren Ellis, George Mann, Keith Brooke, Daniela Knor, Greg Keyes, Alan Dean Foster und Sergej Lukianenko

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    coverfoto: lübbe

    Alan Dean Foster: "Flucht ins Chaos"

    Broschiert, 315 Seiten, € 9,20, Bastei Lübbe 2009.

    Werfen wir zwischendurch mal wieder einen Blick darauf, was sich bei Pip & Flinx gerade so tut: Sonnyboy Philip Lynx und sein fliegendes, Gift spritzendes Mini-Drachenweibchen, die durch die Weiten des Homanx-Commonwealth im 30. Jahrhundert reisen. Und passend zur Jahreszeit geht es in den Urlaub: Nachdem Flinx in den vorangegangenen Bänden einige Abenteuer bestanden hat, auf die zu Beginn kurz verwiesen wird (danach werden sie keine Rolle mehr spielen), wird ihm von der Künstlichen Intelligenz seines Raumschiffs erklärt: "Sie müssen sich an irgendeinen interessanten Ort begeben und einige Energie mit Nichtstun verbrauchen. Es wäre für Ihre Gesundheit absolut notwendig."

    Die Wahl fällt auf Jast, einen unbedeutenden Planeten auf halbem Weg zwischen dem Commonwealth und dem feindlichen AAnn-Imperium. Jast trägt ein Ökosystem, das auf Spezies beruht, die statt Beinen oder Flügeln mit natürlichem Methan gefüllte Blasen zur Fortbewegung nutzen, und Alan Dean Foster lässt es ordentlich schwirren, schweben und summen, um die kunterbunte Vielfalt des Planeten zu beschreiben. Diese Schwelgerei im Biologischen überträgt Foster auch auf die intelligenten Bewohner Jasts, die polypenähnlichen Vssey. Und das kommt nicht ganz so überzeugend daher: Foster gibt sich alle Mühe, die Auswirkungen der Vssey-Biologie auf deren Entwicklungsgeschichte, ihre Soziologie und ihr Verhalten zu schildern - und zwar nicht über externe Beobachter, sondern auch über die Gedanken der Vssey selbst. Das ist so, als dächten wir mindestens einmal pro Tag: "O wie praktisch ist es, einen opponierbaren Daumen zu haben." Oder als würden wir uns laufend vergegenwärtigen, dass wir uns in den Parks unserer Städte deshalb so wohl fühlen, weil sie uns unterschwellig dasselbe Gefühl von Sicherheit (gute Sicht nach allen Seiten, trotzdem ein paar schützende Bäume immer in Reichweite ...) vermitteln wie unseren Vorfahren. Mit anderen Worten: Das ist schriftstellerisch nicht sonderlich überzeugend.

    Und mit der Erholung ist's natürlich sowieso nix. Jast steht vor der Übernahme durch das AAnn-Imperium; die Mehrheit der in jeder Beziehung langsamen Vssey nimmt die schleichende Eingliederung hin, eine radikale Minderheit wehrt sich. So gerät Flinx in ein Netz von Intrigen, Bürokratie und Terrorismus - und verliert bei einer Attacke sein Gedächtnis. Für einen Großteil des Romans wird er damit weniger ein selbständiger Charakter als eine Leerstelle bleiben, auf die die unterschiedlichen Fraktionen ihre Vorstellungen projizieren. Vom AAnn-Beamten Takuuna, der sich erst darüber empört, Kindermädchen eines Alien spielen zu müssen, und dann eine regelrechte Besessenheit in Sachen Flinx entwickelt, über die Künstlerkolonie, die den verwirrten Flinx in der Wüste aufliest, bis zum Vssey-Widerstand: Jeder schnitzt sich seinen imaginären Flinx nach seinen Bedürfnissen zurecht.

    Pip & Flinx begleiten SF-Veteran Alan Dean Foster bereits seit 1972. "Flucht ins Chaos" (im Original "Sliding Scales") zählt mit Erscheinungsdatum 2004 zu den Spätwerken und auch eindeutig zu den schwächeren Teilen der Reihe. Lobenswert ist, dass jetzt der gesamte Romanzyklus herausgegeben wird - wünschenswert wäre allerdings auch eine einheitliche Übersetzung gewesen: So kommt es bei den Schreibweisen immer wieder zu kleineren Inkongruenzen (wobei das hier durchgängig verwendete Commonwelth einfach ein Fehler ist, zu dem sich leider auch einige andere gesellen). Von der Handlung her ein typischer Lückenfüller, könnte "Flucht ins Chaos" ideal für NeueinsteigerInnen sein, da es außerhalb der Rahmenhandlung um Flinx' Schlüsselrolle für den Fortbestand der Menschheit angesiedelt ist. Allerdings kann Flinx sich hier kaum als der sympathische Filou entfalten, als der er die Reihe so populär gemacht hat - daher doch besser mit einem anderen Band beginnen und den hier als etwaige Ergänzung der Sammlung betrachten. Leichte Sommerlektüre, besseres wird kommen.

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