Bank muss wegen Lehman-Anleihen Schadenersatz zahlen

24. Juni 2009, 10:06
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Die Hamburger Sparkasse muss einem Anleger wegen fehlerhafter Beratung 10.000 Euro zahlen, die Bank meldet Berufung an

Hamburg - Die Hamburger Sparkasse (Haspa) muss einem Anleger wegen fehlerhafter Beratung beim Verkauf von Anleihen der zusammengebrochenen Lehman-Bank Schadenersatz zahlen. Die Sparkasse habe ihre Pflicht der anlagegerechten Beratung schuldhaft verletzt, stellte das Landgericht Hamburg am Dienstag in seinem Urteil fest (Az: 310 O 4/09). Die Haspa müsse dem Kläger, einem pensionierten Lehrer, daher den Schaden von gut 10.000 Euro einschließlich Zinsen erstatten, erläuterte eine Gerichtssprecherin. Die Haspa kündigte Berufung an. Das Institut kritisierte, im "Ausnahmefall Lehman" hätten Gerichte die Tendenz, das Anlagerisiko nachträglich auf die Kreditinstitute zu verlagern.

Der Richter bemängelte vor allem, dass die Haspa ihren Kunden nicht über die fehlende Einlagensicherung, die Höhe der Gewinnmarge und ihr eigenes Interesse am Verkauf der Lehman-Zertifikate informiert habe. Weil die Haspa in größerem Umfang Lehman-Zertifikate erworben habe und "nur gegen einen Abschlag an Lehman Brothers hätte zurückgeben dürfen, bestand für sie ein besonderer Anreiz zur Empfehlung gerade dieses Produkts", erklärte der Richter. Die Tatsache, dass die Sparkasse ihren Kunden nicht über das Risiko einer Insolvenz von Lehman aufgeklärt hatte, wertete das Gericht dagegen nicht als Pflichtverletzung.

Lehman Brothers war im September 2008 zusammengebrochen. Die Finanzkrise hatte sich dadurch verschärft und die gesamte Weltwirtschaft in eine schwere Rezession gestürzt. Die Lehman-Zertifikate sind seit der Insolvenz de facto wertlos. Auch die Sparkassen in Frankfurt und Hannover sowie die Dresdner Bank und die Citibank haben in den vergangenen Jahren das Produkt intensiv an deutsche Kleinsparer verkauft. Genaue Zahlen über Geschädigte und deren Verluste gibt es nicht.

Die Haspa wertete das Urteil als Einzelfallentscheidung. Das Gericht habe ausdrücklich festgestellt, dass die Anleihen für den Anleger geeignet gewesen seien und es sich um eine konservative Anlage gehandelt habe. "Wir sind optimistisch, dass die Situation in der nächsten Instanz neu bewertet wird", betonte Haspa-Privatkundenvorstand Reinhard Klein. Die Gerichtssprecherin sagte, es handle sich nicht um einen Präzedenzfall. "Jedes Verfahren ist anders, jeder Fall wird für sich bewertet", machte sie deutlich. (APA/Reuters)

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