BBC sei schuld an Nedas Tod

26. Juni 2009, 17:13
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Ahmadi-Nejad-nahe Zeitung beschuldigt BBC der Anstiftung - Verlobter wirft Bassij-Milizen vor, die Frau erschossen zu haben - Nur wenige Demonstranten am Grab

Hamburg/Teheran - Zwei Wochen nach der Präsidentschaftswahl im Iran sind die Proteste gegen das Wahlergebnis praktisch zum Erliegen gekommen. Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten versammelten sich am Freitag nur einige wenige Menschen auf einem Friedhof in Teheran, um Kerzen für die getötete Studentin Neda anzuzünden.

Bei diesem Todesfall geht die ultra-konservative Presse des Landes inzwischen zum Gegenangriff über: Zahlreiche Medien berichteten am Donnerstag, eine Untersuchung habe ergeben, dass es sich bei der benutzten Waffe um Schmuggelware handle. Die Zeitung "Watan Emrus", die Präsident Mahmoud Ahmadi-Nejad unterstützt, beschuldigte sogar den inzwischen des Landes verwiesenen BBC-Journalisten Jon Leyne, den Mord rund um die Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinejads für seine Dokumentation in Auftrag gegeben zu haben.

Neda Agha-Soltan war bei den Protesten gegen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl erschossen worden. Die Bilder der blutenden und sterbenden jungen Frau, die noch immer nicht zweifelsfrei als authentisch identifiziert werden konnten, kursieren seit dem Wochenende im Internet und haben aus der Studentin eine Symbolfigur für den Widerstandskampf im Iran gemacht.

Zufall und "Absicht"

Ihr Verlobter hatte zu Beginn der Woche der BBC gesagt, Neda habe gar nicht an den Protesten teilgenommen. Sie sei nur zufällig in der Nähe aus dem Auto ausgestiegen. Er beschuldigte die islamische Bassij-Miliz, für den Tod seiner Verlobten verantwortlich zu sein. Auf seine Freundin sei "absichtlich" gezielt worden.

Der Arzt Arash Hejasi , der nach eigenen Angaben bei der tödlich getroffenen Erste Hilfe leistete, hat in einem Interview mit dem britischen Sender BBC die islamische Bassij-Miliz für den Tod der Frau verantwortlich gemacht. Hejazi studiert derzeit in England und war nach eigenen Angaben zu einem kurzen Besuch bei Freunden in Teheran, als er von der Protestkundgebung hörte und sie sich anschauen ging.

Zuerst seien alle davon ausgegangen, der Schuss sei von einem Häuserdach gekommen, sagte Hejasi, der in Großbritannien studiert. Aber dann hätten die Menschen einen Mann auf dem Motorrad entdeckt, ihn gestellt und entwaffnet. "Ich habe gehört wie er sagte: 'Ich wollte sie nicht töten'", sagte Hejasi dem Sender. Die umstehenden Menschen hätten seinen Ausweis genommen und Fotos gemacht, und dann hätten sie ihn laufen lassen, weil sie nicht wussten, was sonst mit ihm tun.

Er habe sich entschieden, mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit zu gehen, weil er nicht wolle, dass die junge Frau umsonst gestorben sei, sagte der Arzt weiter. Er wisse, dass er damit riskiere, nicht in den Iran zurückkehren zu können.

Mehrere Zeitungen sahen Schuld nicht bei Sicherheitskräften

Mehrere iranische Zeitungen sahen die Schuld dagegen nicht bei den iranischen Sicherheitskräften. "Die Untersuchung ergab, dass jemand mit einer Schmuggelwaffe das Feuer auf mehrere Menschen in der Karegar-Straße eröffnete, und eine der Kugeln traf Neda Agha-Soltan in den Rücken", meldeten die Blätter unter Berufung auf die konservative Nachrichtenagentur Fars. Fars schrieb unter Berufung auf eine ungenannte Quelle weiter: "Die Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Wochen Dutzende Waffen des Typs sichergestellt, mit der sie getötet wurde. Diese Waffen sind vornehmlich über die westlichen Grenzen in den Iran geschmuggelt worden."

 

Quelle: YouTube

Die junge Frau war in den vergangenen Tagen zur Ikone der Proteste im Iran geworden, eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit des Videos gibt es allerdings nicht. Seit Samstag kursiert ein Video Internet, das Neda blutverschmiert auf einer Straße liegend zeigt. Der Film wurde bereits Hunderttausende Male angesehen. Bei Protesten in aller Welt gegen die iranische Führung zeigen Demonstranten nun Fotos von Neda. Unterdessen werden im Internet unter der Adresse nedasoltan.com bereits T-Shirts mit dem Konterfei der Frau und der Aufschrift "Neda - Face of Freedom" verkauft.

Das staatliche Fernsehen in Teheran behauptet, das Video über den Tod Neda Agha-Soltans bei einer Protestkundgebung sei gefälscht. Der Sender Khabar hatte am Dienstag berichtet, es sei offensichtlich, dass diejenigen, die die Aufnahmen machten, auf etwas gewartet hätten und das Ganze dann aus mehreren Winkeln gefilmt hätten. (red/APA/dpa/AFP)

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    Neda Agha Soltans angeblicher Verlobter, der Fotograf Caspian Makan, veröffentlichte am Montag das rechte Bild.

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    Dieses Foto von Caspian Makan soll Neda Agha Soltans Grab zeigen.

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