Kontra Klonfleisch: Wiedergänger auf der Weide

22. Juni 2009, 20:09
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Worin soll der Vorteil liegen, nicht weiter auf den guten alten Sex und die dabei entstehende genetische Vielfalt zu setzen?

Oink-oink, muuuh, määäh - was nicht spricht, wird geklont. Die Wissenschaft versucht das schon länger mit kräftiger Unterstützung der Wirtschaft. Jede Generation soll die Kopie des Elternteils sein. Und genau so gut schmecken oder genau so viel Milch geben. Wieso eigentlich?

Unabhängig davon, ob das Klonfleisch gesundheitlich unbedenklich ist und dass die Fleischlaibchen der großen Fast-food-Ketten heute schon alle standardisiert und gleich schmecken - warum soll dasselbe Rindvieh immer wieder auf den Weiden wandeln? Worin soll der Vorteil liegen, nicht weiter auf den guten alten Sex und die dabei entstehende genetische Vielfalt zu setzen?

Es ist dieses zwanghafte Bedürfnis, die Natur komplett zu kontrollieren. Keine Überraschungen mehr. Sollte unglücklicherweise irgendeine Krankheit die identischen Tiere hinwegraffen - egal, beim nächsten Versuch werden manipulierte Gene eingesetzt, die dieses Manko beseitigen.

Doch warum soll die Milchüberproduktion durch geklonte Supermilchgeberinnen noch vergrößert werden? Das Schweinskotelett, das schon heute billiger ist als manches Obst, noch günstiger werden? Nicht um den hunderten Millionen Hungernden zu helfen. Sie werden nämlich nie ein geklontes Tier sehen. Sondern nur, um den Profit von wenigen zu steigern. Und um den Ehrgeiz der Forscher zu befriedigen, den Wiedergängerwiederkäuer geschaffen zu haben. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 23.6.2009)

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