63 Prozent mit "Miteinander" zufrieden

18. Juni 2009, 16:15
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Nach Halbjahres-Bilanz wünschen nur mehr 33 Prozent absolutes Qualmverbot

Wien - Die Österreichische Bevölkerung hat laut einer Marktforschungsumfrage im Auftrag der Wirtschaftskammer am Umgang mit Rauchverboten in Lokalen kaum etwas auszusetzen. Rund 63 Prozent seien mit dem gegenseitigen Miteinander in ihren Stammbeisl'n zufrieden - Raucher und Nichtraucher gleichermaßen, präsentierte Werner Beutelmeyer, Leiter des beauftragten Meinungsforschungsinstituts "market", am Donnerstag bei einer Pressekonferenz eine Halbjahres-Bilanz des Nichtraucherschutzgesetzes. Für Aufruhr sorgten bei dem Termin Nichtrauchervertreter, die das Studien-Ergebnis anzweifelten.

15 Prozent der 403 Befragten (ab 15 Jahren) erachten die derzeitige Situation in ihren Lieblingslokalen laut Studie als "gar nicht zufriedenstellend", fünf Prozent sind eher enttäuscht. 16 Prozent äußerten keine Meinung zu dem Thema. Grundsätzlich sprachen sich 33 Prozent für ein totales Rauchverbot aus, zwei Drittel (63 Prozent) plädierten für die im Gesetz vorgesehene Wahlfreiheit.

Die jetzige Regelung trat mit Jahresbeginn in Kraft und verbietet in Gaststätten ab 50 Quadratmetern Größe den Tabakkonsum. Erlaubt sind räumlich strikt abgetrennte Raucherzimmer, Einraumbetriebe unter 50 Quadratmeter dürfen den Genuss von Zigaretten ohne Einschränkung erlauben. Für Umbauarbeiten ist eine Übergangsfrist bis Ende Juni 2010 möglich.

Umstellung schreitet voran

Geht es nach der Umfrage, schreitet die Umstellung Schritt für Schritt voran: 73 Prozent haben demnach die Umsetzung des Gesetzes in Restaurants und Cafes schon bemerkt. Bei den Rauchern registrierten 91 Prozent einen Unterschied, bei den Nichtrauchern 67 Prozent. Drei Viertel finden es "eher gerechtfertigt", dass mit Übergangsfristen auf die Wirte Rücksicht genommen wird. 17 Prozent sind damit nicht einverstanden.

Auch 300 Wirte wurden im Zuge der Studie befragt: 79 Prozent fürchten bei einem totalen Rauchverbot wirtschaftliche Einbußen, 70 Prozent Jobverluste. Eine Rolle spielt hier auch die Finanzkrise, deren Auswirkungen 51 Prozent laut eigenen Angaben schon spüren. Wegen des Gesetzes sind in 27 Prozent der rund 70.000 Betriebe Umbauarbeiten notwendig, zwölf Prozent haben diese schon durchgeführt.

94 Prozent der Wirte sind der Meinung ihre Nichtraucherbereiche sichtbar gekennzeichnet zu haben. Nach der gesetzlichen Vorschriftsmäßigkeit wurde nicht gefragt, auch die Sicht der Bevölkerung hat "market" nicht erfasst. Laut Helmut Hinterleitner, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, würde der Großteil der Lokale tauglich ausschildern, jedoch nicht die juristisch vorgesehenen Aufklebern verwenden. Hier werde man noch für mehr Aufklärung sorgen. "Das Ergebnis der Umfrage entspricht überhaupt nicht dem Bild, das von den sogenannten Nichtraucher-Sheriffs zuletzt immer wieder gezeichnet wurde", kritisierte der Obmann Sammler von Anzeigen als "geringe Minderheit, die nur etwas lauter schreit".

"Manipulierte Zufriedenheit"

Genau mit dieser lieferten sich die Vertreter der Pressekonferenz einen heftigen Schlagabtausch: Manfred Neuberger von der Medizinischen Universität Wien legte bei dem Termin eine "market"-Studie vom Mai 2007 vor, laut der 63 Prozent der Österreicher vor zwei Jahren für ein generelles Rauchverbot plädierten. In der aktuellen Umfrage ortete der Wissenschafter daher eine "manipulierte Zufriedenheit". Studienautor Beutelmeyer konterte unter anderem mit Zitaten von Paul Watzlawick. Objektivität sei bei Vorliegen aller Antwortkategorien vorhanden, erklärte er. "Das müssen sie zur Kenntnis nehmen."

Dietmar Erlacher, Obmann der Selbsthilfegruppe "Krebspatienten für Krebspatienten", nützte die Pressekonferenz für Drohungen mit Anzeigen wegen fehlender Kennzeichnung gegen umliegende Lokale. Auch der Veranstaltungsort - "Zum Schwarzen Kameel" - habe diese nicht, betonte er. Der Stein des Anstoßes: Statt den vorgeschriebenen rot-grünen Plaketten kennzeichnet ein kleines Bild mit einer durchgestrichenen Zigarette im Maul eines Kamels den gänzlich qualmfreien Restaurantbereich des Traditions-Lokals. (APA)

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