Neue Matura sorgt für alte Koalitionskonflikte

18. Juni 2009, 13:21
547 Postings

ÖVP rüttelt an Schmieds Reform­plan - Lehrergewerkschaft in Lauerstellung

Wien - Nur etwas mehr als 48 Stunden konnte sich Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in Sachen Zentralmatura einigermaßen in koalitionärer Sicherheit wiegen. Noch am Dienstag hatte ihr die ÖVP in einem Junktim mit dem Unigesetz ein Bekenntnis zur Zentralmatura schriftlich zugesichert.

Am Donnerstag wusste die Austria Presseagentur (APA) Gegenteiliges zu berichten: Die ÖVP lehnt einen Eckpunkt der Zentralmatura ab - nämlich die zentrale Vergabe der Aufgaben für die schriftliche Prüfung. Schulautonome Inhalte würden dabei zu kurz kommen.

Wie sich herausstellte, steckte ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon hinter der Kritik. Und dass er sie jetzt formuliert, mag damit zu tun haben, dass er als ÖAAB-Generalsekretär am Samstag den ÖAAB-Bundestag zu bestreiten hat.

Was sich die ÖVP vorstellen kann, sind zentral abgefragte Mindestkompetenzen, dann aber für alle Schultypen, auch Externistenmatura und Berufsreifeprüfung.

Schmied weist Einwände zurück

Das wiederum ist eine erstaunliche Deckungsgleichheit mit den Forderungen der ÖVP-dominierten AHS-Lehrergewerkschaft, die als Schmieds härtester Gegner in Sachen Zentralmatura gilt. Denn genau diese Punkte betonte deren Vorsitzende Eva Scholik im Gespräch mit dem Standard. Die Lehrergewerkschaft sei zwar "prinzipiell für zentrale Elemente, sie dürfen aber nicht zum Niveauverlust führen" , so Scholik. Derzeit gebe es noch "essenzielle Einwände" .

Den ÖVP-Einwand gegen eine zentrale Vergabe der schriftlichen Teile wies Schmied umgehend als "nicht praktikabel" zurück. Eine "seriöse Qualitätssicherung" sei nur möglich, wenn eine der drei Säulen der neuen Matura (schriftliche, mündliche Prüfung, vorwissenschaftliche Arbeit) "tatsächlich österreichweit vergleichbar ist" .

Die Reaktion der AHS-Gewerkschaftschefin auf das ÖVP-Ja zur Zentralmatura dürfte Schmied allerdings zu denken geben. Scholik sagt nämlich: "Was die ÖVP letztendlich macht, ist nicht so sehr entscheidend, für uns ist entscheidend, was man mit uns ausmacht."(Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, 19.07.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.