Ein Traumpaar für Salzburgs Domplatz

16. Juni 2009, 20:50
1 Posting

Jedermann mit Buhlin: Nicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr

Wer auf dem Salzburger Domplatz den Jedermann gibt, muss mehr sein als bloß ein "brillanter" Schauspieler. Hugo von Hofmannsthals ParadeBußknecht, der ab Sommer 2010 von Burgschauspieler Nicholas Ofczarek gemimt wird, kriecht im Angesicht des Todes zu Kreuze. Die Jedermänner sind unsere Brüder im Geiste: Sie nehmen die Sündhaftigkeit der Welt beispielhaft für uns alle auf ihre katholischen Schultern. Ihre schlimmste Anfechtung ist aber: die Buhlschaft.

Ofczarek folgt Peter Simonischek nach. Er ist der exakt 15. Jedermann seit Einführung der Festspiele - und der Papierform nach eine Idealbesetzung: Ofczarek eignet eine böse, höchst körperliche Verdrängungslust. Er hat Shakespeare-Könige als Hanswürste gegeben und Dienerfiguren als Individualanarchisten. Ofczarek (38), das Kind eines Opernsängerpaares, begann seine Karriere am Wiener Theater Drachengasse, ehe ihn Claus Peymann 1994 ans Haus am Ring holte.

Wofür nicht alles müssen Jedermänner einstehen: Sie sollen der Sommerschwüle vor dem Dom trotzen. Sie müssen Hofmannsthals Knittelverse so aussprechen, als wäre das mühselige Geschäft der Deklamation die natürlichste Lustbarkeit der Welt. Last, but not least: Sie sollen eine Buhlschaft anstaunen, deren samtverbrämtes Dekolleté den kostbarsten Schatz der Salzburger Hocherotik darstellt.

Mit Birgit Minichmayr (32) erhält Ofczarek nicht nur eine Generationskollegin als Widerpart, sondern eine stilprägende Schauspielerin ihrer Generation zugewiesen. Die gebürtige Oberösterreicherin und Max-Reinhardt-Seminaristin hatte auf der Höhe ihrer jungen Burg-Karriere (etwa als unbändige Medea) beschlossen, an Frank Castorfs Berliner Volksbühne zu gehen. Minichmayr ist der raustimmige Todesengel: wüst attackierend, von einnehmender Sprödigkeit.

Ihre Eignung als Objekte für Salzburger Paparazzo-Begierden müssen Ofczarek wie Minichmayr erst beweisen. Beide halten ihr Privatleben vorbildlich bedeckt: Ofczarek, verheiratet mit Kollegin Tamara Metelka und Vater einer Tochter, ist ein unbekümmerter Zeitgenosse, den es höchstens reizt, wenn man ihn ob seines beeindruckenden Embonpoints (zu Deutsch: "Bauch" ) als beleibt kennzeichnet.

Minichmayr, die ihre Nähe zu Tote-Hosen-Sänger Campino jüngst mit einem Duett untermauerte, hat sich zum Filmstar mit mysteriöser Aura gemausert. Die Chemie jedenfalls stimmt. Beide haben erst jüngst ein wildes Paar abgegeben: in Martin Kušejs Inszenierung des Weibsteufels. (Ronald Pohl, DER STANDARD/Printausgabe, 17.06.2009)

Share if you care.