Sarkozy bei Trauerfeier für Staatschef Bongo Ondimba ausgebuht

16. Juni 2009, 13:39
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Schwieriges Verhältnis Frankreichs zu ehemaliger Kolonie - "Gehen Sie weg, wir wollen Sie nicht mehr"

Libreville - In Gabun ist die Trauerfeier für den verstorbenen Präsidenten Omar Bongo Ondimba durch das schwierige Verhältnis zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich überschattet worden. Dutzende Zuschauer buhten den französischen Staatschef Nicolas Sarkozy aus, als er am Dienstag am Präsidentenpalast in Libreville eintraf. "Frankreich ist undankbar", sagte ein Gabuner. "Holz, Erdöl, Mangan, wir haben Euch alles gegeben. Frankreich ist heute nur dank Gabun das, was es ist."

Bongos Tod hatte auch in Frankreich eine Diskussion über die wirtschaftliche und politische Verflechtung der beiden Staaten ausgelöst. Bongo war vor gut einer Woche im Alter von 73 Jahren in einer spanischen Klinik gestorben. Er hatte Gabun 41 Jahre lang regiert.

"Gehen Sie weg"

"Gehen Sie weg, wir wollen Sie nicht mehr", rief einer der mehreren hundert Gabuner, die zu der Trauerfeier in den Hof des Präsidentenpalastes gelassen wurden, Richtung Sarkozy. Nachdem einige Zuschauer bei dessen Ankunft zunächst verhalten klatschten, überwogen bald die Buhrufe. Sicherheitsbeamte schirmten den französischen Staatschef daraufhin ab und geleiteten ihn in den Palast. "Da wurde nicht die Person des Präsidenten ausgebuht", sagte Frankreichs Botschafter in Libreville, Jean-Didier Roisin, nach dem Vorfall. "Es geht um das Bild, das man von Gabun gezeichnet hat." Roisin verwies dabei auch auf die Empörung über die vorzeitige Verkündung des Todes von Bongo durch französische Regierungskreise.

Gottesdienst und einer Militärparade

Zu der Trauerfeier reisten aus Frankreich neben Sarkozy auch Altpräsident Jacques Chirac sowie Außenminister Bernard Kouchner und weitere amtierende und frühere Regierungsvertreter an. Daneben erwiesen gut ein Dutzend afrikanische Staats- und Regierungschefs Bongo die letzte Ehre. Nach einem ökumenischen Gottesdienst und einer Militärparade sollte der Sarg mit seinem Leichnam in seine Heimatregion nach Franceville überführt werden, wo der Präsident am Donnerstag bestattet wird.

Das zentralafrikanische Gabun hatte bis 1960 unter französischer Kolonialherrschaft gestanden. Bongo hatte 1967 die Macht in dem Land mit 1,5 Millionen Einwohnern übernommen. Seit seinem Tod wird in Frankreich erneut über die beiderseitigen Abhängigkeiten diskutiert. Dabei warf Altpräsident Valéry Giscard d'Estaing dem früheren Staatschef Chirac vor, er habe sich seinen Wahlkampf in den 80er Jahren von Bongo finanzieren lassen. Bongo selbst beschrieb das Verhältnis zur früheren Kolonialmacht einst mit den Worten: "Gabun ohne Frankreich ist wie ein Auto ohne Fahrer. Frankreich ohne Gabun ist wie ein Auto ohne Treibstoff."

Offiziellen Angaben zufolge starb Bongo an einem Herzinfarkt; wie es heißt, litt er in Wahrheit an Krebs. Der Staatschef hatte sich offenbar lieber in einer Klinik als Barcelona als in Paris behandeln lassen, nachdem die französische Justiz zuletzt zu seinen Bankkonten und Luxusimmobilien in Frankreich ermittelte. (APA/AFP)

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    Nachdem einige Zuschauer bei Sarkozys Ankunft verhalten klatschten, überwogen bald die Buhrufe.

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