Dienstleistungs-Exporte stärken Außenhandel

15. Juni 2009, 14:17
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5.000 heimische Unternehmen sind im grenzüberschreitenden Handel mittlerweile mit Dienstleistungen tätig

Wien - Forscher, Architekten, Berater und Anwälte aus Österreich werden neben dem Skilehrer als Einnahmen-Bringer für Österreich immer wichtiger. Österreich ist längst kein reines Tourismusland mehr, sondern stellt ein breites Spektrum an unternehmensnahen Dienstleistungen zur Verfügung, sagte Aurel Schubert, Direktor der Hauptabteilung Statistik in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), am Montag vor Journalisten in Wien.

Die österreichische Außenwirtschaft hat 2008 - trotz erster Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise - einen Leistungsbilanzüberschuss von 10 Mrd. Euro oder 3,5 Prozent des BIP erzielt. Der wesentlich Betrag dazu sei aus dem Export von Dienstleistungen gekommen, so Schubert. Laut Welthandelsorganisation (WTO) belegt Österreich im Güterhandel den 23. Rang unter den führenden Exportnationen, im Dienstleistungshandel Rang 21.

Innovative Dienstleistungen

"Österreich entwickelt sich immer stärker in Richtung innovativer Dienstleistungen wie Architektur und Technik, EDV und Information oder Forschung und Entwicklung", betonte Schubert. Diese wachsen mit durchschnittlich 10 Prozent im Jahr doppelt so schnell wie die Einnahmen aus dem Tourismus.

Während das traditionelle Dienstleistungsangebot - vor allem der Transport - nach wie vor dominiere, komme die außenwirtschaftliche Dynamik Österreichs aus innovativen Leistungen, sagte Schubert. So erwirtschaften neben dem Flugverkehr österreichische Architektur- und Ingenieursbüros rund die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

Wie eine Studie der OeNB zum Dienstleistungshandel zeigt, betreiben rund 5.000 Unternehmen in Österreich grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen (ohne Reiseverkehr und ohne Finanzdienstleistungen). In Summe sind in diesen Firmen 770.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Exportwert lag nach neuesten, vollständigen Daten bei 20,4 Mrd. Euro.

Alle Erlöse aus Dienstleistungsexporten, also inklusive Finanz- und Regierungsdienstleistungen, machten im vergangenen Jahr 27,3 Mrd. Euro aus, um 4 Prozent mehr als 2007.

In Österreich wird der Dienstleistungsexport von Netzwerkindustrien dominiert, von Transportunternehmen, von Post und Telekom. Dazu kommen technologieintensive Teile der Sachgüterindustrie, wie Automobilzulieferer, pharmazeutische Konzerne, Rundfunk- und Nachrichtentechnik. Ebenfalls zu den größten Exporteuren von Dienstleistungen zählen multinationale Konzerne mit einem Forschungsschwerpunkt in Österreich sowie Beteiligungsgesellschaften.

KMUs dominieren Auslandsangebot

Kleine und mittlere Unternehmen dominieren das Auslandsangebot von wissensbasierten Dienstleistungen wie Rechts- und Unternehmensberatung, Werbung und Marktforschung, persönliche und kulturelle Dienstleistungen.

In Österreich entfällt die Hälfte der Erlöse aus dem Handel mit Dienstleistungen auf große Unternehmen, je ein Viertel auf Klein- und Mittelbetriebe.

In Bezug auf die Reichweite von Dienstleistungs-Exporten sind nur 30 der 5.000 Firmen global aufgestellt und in mehr als 100 Ländern aktiv (vor allem Netzwerker multinationaler Konzerne). Dagegen haben 1.000 Dienstleistungshändler nur ein einziges Partnerland. Ein Viertel aller Dienstleistungs-Firmen steht laut Studie in einem Konzernverbund und ist für gut die Hälfte des Handels mit Dienstleistungen zuständig. (APA)

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