Morgen im Abendland

14. Juni 2009, 19:22
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Angenommen, Josef Hickersberger wollte mit seinem Klub aus den Emiraten in Österreich ein Trainingslager abhalten.

Ein Vertreter des Klubs würde einfliegen, um sich die Gegend anzuschauen und Abmachungen zu treffen. Er sähe am Wegesrand zwei Herren und einen Befehl: "Abendland in Christenhand".

Der Herr aus dem Morgenland würde auf dem Hinterreifen kehrtmachen und nach Abu Dhabi zurückfliegen. Dort bespräche er mit dem Scheich den Grund für das einzigartige Niveau des abendländischen Fußballs, nämlich sein Bekenntnis zu einem Volk, einem Glauben, einer offensiven Spielanlage.

Hickes Scheich würde den Bruder des Herrschers von Abu Dhabi, Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, um Rat fragen. Mansour hat vor kurzem den englischen Erstdivisionär Manchester City gekauft. Neben Mansour wirkt der russische Oligarch Roman Abramowitsch (Chelsea gehört ihm) wie ein Hühnerfarmer, und die Wirtschaftskrise hat den Unterschied noch verstärkt.

Mansour würde Hickes Scheich empfehlen, in Österreich einen Klub zu kaufen und die Meisterschaft zu gewinnen. Wäre billig, denn der einzige Gegner sei ein kleiner Getränkehändler namens Mateschitz. Und der arabische Golf - Fußball! - kann Ausbildungsklubs in Billig-Lohn-Ligen brauchen. Kicker kann man importieren, antwortete Hickes Scheich. Aber Selbstbewusstsein?

Jetzt müsste sogar Mansour überlegen. Einfach, sagte er schließlich, wir holen uns einen, der gar nichts kann und Erfolg hat. Doping? Aber nein, wie heißt die Christenhand? (Jphann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 15.06.2009)

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