Opfer haben keine Verbrennungen

14. Juni 2009, 14:22
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Zeitung: Zustand der Leichen spricht gegen Explosion in der Luft - Handelsschiff birgt weiteres Wrackteil - EADS-Chef: Gründe weiter unklar

Sao Paulo - Erste Untersuchungen von Toten des Flugzeug-Unglücks über dem Atlantik legen nahe, dass der Airbus ohne Explosion auseinandergebrochen ist. Die Obduktion von 16 Leichen auf der Insel Fernando de Noronha habe ergeben, dass die Passagiere keine Verbrennungen, aber zahlreiche Knochenbrüche erlitten hätten, berichtete die Zeitung "O Estado de Sao Paulo".

Bei den Opfern sei kein Wasser in den Lungen gefunden worden, was bei einem Tod durch Ertrinken der Fall wäre. Für ein Auseinanderbrechen des Airbus A330 spreche außerdem, dass die Opfer zum Teil 85 Kilometer voneinander entfernt gefunden wurden. Dies wäre aber ungewöhnlich, wenn das Flugzeug komplett ins Wasser gestürzt wäre, schrieb die Zeitung.

Ein Handelsschiff hat indessen ein weiteres Wrackteil der abgestürzten Air-France-Maschine geborgen. Das teilte die Einsatzleitung der brasilianischen Marine und Luftwaffe am Samstag (Ortszeit) in Recife mit. Es handele sich um ein mittelgroßes Wrackstück, das sich an Bord der unter der Flagge Antiguas fahrenden "Gammagas" befinde. Die Bergungsarbeiten wurden am Samstag durch schlechte Wetterbedingungen erschwert.

EADS-Chef: Gründe weiter unklar

Nach dem Absturz des Air-France-Airbus-Jets forscht der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS weiter nach den Gründen für das Unglück. "Ich hoffe wirklich, wir klären die Ursache des Absturzes", sagte EADS-Chef Louis Gallois am Samstag in Paris. "Momentan ist es aber noch zu früh, sich über mögliche Ursachen zu äußern. Da sind lange Ermittlungen erforderlich. Wir haben bisher noch keine Vorstellung, welche Umstände zusammengekommen sind, um zu einem solchen tragischen Unfall zu führen."

Zunächst müsse vor allem der Flugschreiber gefunden werden. Spekulationen über die Ursachen seien mit Rücksicht auf die Familien und Freunde der Opfer fehl am Platze. Der Flugzeugbauer Airbus gehört zum größten europäischen Luft-und Raumfahrtkonzern EADS.

Rätselraten dauert an

Bei der Auswertung der vom französischen Air-France-Airbus vor dem Absturz im Atlantik gesendeten Informationen kommen die Ermittler ohne den noch immer nicht geborgenen Flugschreiber und Stimmenrekorder offenbar nicht entscheidend voran. Auch eine inzwischen vorliegende vollständige Abschrift aller 24 automatisch gesendeten Alarmmeldungen brachte nach Angaben aus Luftverkehrskreisen zwar neue Hinweise, aber keinen Durchbruch.

"Es gibt eine Menge Informationen, aber wenig Anhaltspunkte", sagte ein über die Air-France-Ermittlungen informierter Gewährsmann auf die Frage nach dem von der US-Zeitung "New York Times" und www.eurocockpit.com veröffentlichten Transkript. Die Ermittlungen haben sich zuletzt auf die Möglichkeit eines Ausfalls der Pitot-Sensoren konzentriert, das sind außen am Flugzeug angebrachte Geschwindigkeitsmesser. Gleich mehrere Mitteilungen hätten mit Problemen wegen unterschiedlicher Geschwindigkeitsangaben zu tun, bestätigte der Gewährsmann. "Alles, was danach passiert ist, ist ein Ergebnis des Ausfalls der Pitot-Sensoren."

Air France hatte am 27. Mai einen Austausch der Pitot-Sensoren bei Langstrecken-Airbussen angeordnet, nachdem Piloten einen Verlust von Luftgeschwindigkeitsdaten bei einigen Flügen mit A330- und A340-Maschinen bemerkt hatten. Der Airbus A330 auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris stürzte in der Nacht zum 1. Juni ab.

Der Airbus sandte eine Botschaft, derzufolge das Flugzeug eine Änderung des Kabinendrucks hatte, der auf einen Höhenverlust von fast 550 Metern pro Minute hinausläuft. Der Flugzeughersteller hat bisher keine Antwort auf die Frage, wie das zu interpretieren ist.

Der Airbus war am Pfingstmontag auf dem Flug von Brasilien nach Frankreich abgestürzt. An Bord waren 228 Menschen, darunter eine Innsbruckerin. Bisher wurden offiziell 44 Leichen geborgen, sechs weitere sollen gefunden worden sein - deren offizielle Bestätigung stand am Samstagnachmittag noch aus. (APA/dpa)

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