Deutsches Bundeskriminalamt warnt vor Internet-Erpressern

12. Juni 2009, 16:08
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"Das Drohpotenzial der Zukunft" - Angriffe gegen Unternehmen

Vor Erpressungen mit Massen-E-Mails hat der Chef des deutschen Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, deutsche Unternehmen gewarnt. Mit ihnen könnten gezielt Server von Unternehmen oder Regierungseinrichtungen angegriffen und im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch gebracht werden, erklärte der BKA-Präsident dem Handelsblatt (Freitag). In dieser Art Angriff sehe er "das Drohpotenzial der Zukunft" gerade zur Erpressung von Unternehmen nach dem Motto: "Ihr zahlt, oder wir legen eure IT-Struktur lahm".

200.000 Rechner kontrolliert

Die Vorgehensweise sei immer dieselbe, egal ob sich die Angriffe gegen Staaten oder Unternehmen richteten, sagte der BKA-Chef. Die Angreifer bemächtigen sich der Rechnerkapazitäten von Privatpersonen und bündelten sie in sogenannten Bot-Netzen. Solche Netze könnten wie andere illegale Systeme ohne weiteres bei Experten aus dem Untergrund gemietet werden. "Uns sind Fälle bekannt, in denen ein einzelner Täter 200.000 Rechner kontrolliert hat", erklärte Ziercke.

Massen-E-Mails

Die Informationstechnik (IT) ganzer Staaten könne mit Massen-E-Mails lahmgelegt werden, so der BKA-Chef. Er verwies auf einen Angriff auf die Staatsverwaltung von Estland im Jahr 2007, als ein russisches Kriegerdenkmal verlagert werden sollte. Damals wurde die gesamte IT-Struktur des Staates für einen Tag blockiert. Aus Malta sei ein ähnliches Beispiel bekannt, als zunächst ein Wettbüro erpresst wurde. Es sollte 50.000 Euro zahlen, sonst kämen Massen-E-Mails. Am Ende war der Staat Malta einen halben Tag vom Internet abgeschnitten.

Kritik an IT-Sicherheit

Vor diesem Hintergrund nannte es Ziercke "mehr als fahrlässig", dass die Hälfte der deutschen Unternehmen noch keine schriftlich fixierte IT-Sicherheitsstrategie hätten. Die sei auch angesichts zunehmender Spionage durch ausländische Konkurrenzunternehmen wichtig. "2008 haben wir rund 400 Fälle der Konkurrenzspionage registriert, 25 Prozent mehr als im Vorjahr", berichtete Ziercke. Die Unternehmen, die in deutschen Firmen spionieren, stammten nicht nur aus Russland und China, sondern auch aus Europa. So habe sich eine britische Firma in die Systeme einer norddeutschen Spedition gehackt. Ziel des Angriffs sei die Übernahme des Konkurrenten gewesen. (APA/dpa)

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