WHO erklärt Schweinegrippe zur Pandemie

11. Juni 2009, 21:19
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Gesundheitsminister: Österreich ist gut vorbereitet - mit Video

Genf/Düsseldorf/Wien - Die Schweinegrippe hat die Ausmaße einer Pandemie erreicht. Wegen der starken Ausbreitung der Krankheit rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag die höchste Alarmstufe 6 aus. Das Virus breite sich mittlerweile auf mehr als einem Kontinent aus, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am späten Nachmittag in Genf. Außer in Nordamerika gibt es auch in Australien beständig Ansteckungen von Mensch zu Mensch. Mit der Hochstufung hat der Ausbruch die Qualität einer weltweiten Epidemie bekommen.

Die WHO empfehle aber trotz der Hochstufung zur Pandemie keine weiteren Beschränkungen, insbesondere nicht für Handel, Reisen oder Grenzschließungen, sagte die WHO-Chefin. "Keine bisherige Pandemie ist so früh entdeckt und von Anfang an so zeitnah beobachtet worden." Die Infektionen verliefen bisher relativ mild. "Aber das kann sich ändern." Deshalb fordere die WHO internationale und solidarische Aufmerksamkeit. "Das Virus ist sehr unberechenbar." Es könne nicht gestoppt werden, fügte Chan hinzu. Das sei aber kein Grund zur Panik.

Über 140 Todesfälle bestätigt

Es ist das erste Mal seit mehr als 40 Jahren, dass die WHO eine Grippe-Pandemie ausruft. Rund um den Globus wurden bisher fast 28.000 Krankheits- und mehr als 140 Todesfälle bestätigt. Die WHO hatte die Schweinegrippe seit dem 29. April in die Warnstufe fünf eingeordnet, derzufolge eine Pandemie unmittelbar bevorsteht. Frankreich will nach Angaben von Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot ungeachtet der WHO-Empfehlung die niedrigere Stufe fünf beibehalten.

Laut Chan wird kein Land vor September über einen Impfstoff verfügen. Zudem betonte sie, man dürfe die Vogelgrippe nicht vergessen. "Da sind wir auf Stufe 3." Es sei das erste Mal, dass es zwei Pandemie-Alarmstufen gibt. Am Mittwoch hatte Chan mit Vertretern von acht Ländern konferiert, in denen das Virus verstärkt auftritt, darunter auch Australien, wo es mittlerweile mehr als 1200 Fälle gibt. Die Schweinegrippe gilt als erste Grippepandemie seit 1968, als an der Hongkong-Grippe weltweit mehr als eine Million Menschen gestorben sein sollen.

Unterdessen beschlossen die Behörden in Hongkong, nach mehreren Schweinegrippefällen bei Kindern alle Kindergärten, Krippen und Volksschulen für zwei Wochen zu schließen. Im dicht besiedelten Hongkong leben rund sieben Millionen Menschen, bisher wurden dort 49 Schweinegrippefälle registriert.

In Österreich hatte bereits vor der Bestätigung durch die WHO-Chefin in Genf die Sprecherin von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), Sigrid Rosenberger, die Ausrufung der Pandemie-Warnstufe 6 bestätigt. Die Entscheidung war nach einer Sitzung führender Seuchenexperten gefallen. Das Argument dieser Entscheidung sei offenbar auch, dass manche Länder zu erhöhter Wachsamkeit angehalten werden sollen. "Das gilt sicher nicht für Österreich", sagte Rosenberger. Die Entscheidung der WHO enthalte zudem keinerlei Empfehlung zur Impfstoff-Produktion.

Stöger: Österreich ist gut vorbereitet

Stöger selbst zeigte sich in einem ersten Statement überzeugt, dass "Österreich auf Basis des österreichischen Pandemieplans gut vorbereitet" sei. Am Freitag wird der erweiterte Expertenstab zu einer Sitzung zusammengerufen. "Die Österreicherinnen und Österreicher müssen sich keine Sorgen machen, zumal die bisher aufgetretenen sieben Fälle der neuen Grippe auch zeigen, dass die Zusammenarbeit der Stellen und das österreichische Gesundheitswesen gut funktionieren", betonte Stöger.

In Deutschland ist die Zahl der Kinder, die sich in der japanischen Schule von Düsseldorf mit dem neuen Grippevirus angesteckt haben, unterdessen auf 46 gestiegen. Der Infektionsweg war zunächst unklar. Die erkrankten japanischen Schüler sowie ihre Familien wurden zu Hause unter Quarantäne gestellt, sagte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts. Zu Massentests kamen Eltern und Geschwister in die Schule, in der bis mindestens Ende nächster Woche kein Unterricht stattfindet. In einem Gymnasium in Köln wurden bisher acht Schülerinnen infiziert. (APA/dpa/AP)

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