Nordkorea droht mit atomarer Aufrüstung

15. Juni 2009, 12:55
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Außenministerium: Land wird gegen Blockade "entschlossen militärisch vorgehen"

Seoul - Im Streit um sein Atomwaffenprogramm hat Nordkorea am Samstag erneut mit atomarer Aufrüstung und sogar mit Krieg gedroht. Als Antwort auf die neue Resolution des UN-Sicherheitsrats zu Nordkoreas jüngstem Atomtest kündigte das kommunistische Land zudem den Bau weiterer Atomwaffen an.  Einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge sollen bereits weitere unterirdische Anlagen für Atomtest gebaut worden sein.

Zuvor hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York als Reaktion auf den zweiten nordkoreanischen Atomtest am 25. Mai und einer Reihe weiterer Provokationen verschärfte Sanktionen gegen das kommunistische Land beschlossen. Die UN-Resolution sieht unter anderem vor, dass Fracht von und nach Nordkorea in Häfen, Flughäfen und auf hoher See stärker auf verbotene Waffenlieferungen kontrolliert werden soll.

Das nordkoreanische Außenministerium bezeichnete die vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen als "widerwärtiges Ergebnis" einer von den USA angeführten Kampagne gegen das Land. Auf jeden Versuch der USA und anderer Länder, gegen Nordkorea eine "Blockade gleich welcher Art" zu errichten, werde das Land "entschlossenen militärisch" reagieren, hieß es am Samstag laut Berichten der staatlichen nordkoreanischen Medien in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Blockaden würden als "Kriegshandlung" aufgefasst.

Fortschritte in der Nuklearforschung

Nordkorea kündigte weiterhin an, das Programm zur Anreicherung von Uran zum Atomwaffenbau habe Fortschritte gemacht. Es wolle zudem aus seinem gesamten Bestand an neu gewonnenem Plutonium Atomwaffen machen. Außerdem wolle das Land im Rahmen eines Projekts zum Bau von Leichtwasser-Atomreaktoren den "Prozess zur Urananreicherung einleiten". Das Außenministerium in Pjöngjang bekräftigte, Nordkorea werde niemals auf Atomwaffen verzichten.

Einem Medienbericht zufolge hat das Regime möglicherweise weitere unterirdische Anlagen für Atombomben-Tests gebaut. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Montag unter Berufung auf Geheimdienstvertreter berichtete, könnte es rund um Punggyeri an der Ostküste, wo 2006 bereits der erste Atomtest stattgefunden hatte, zwei oder drei Testgelände geben. 

Weniger Aktivität an Atomanlagen

Kreisen des russischen Militärs meinen dagegen, die Aktivitäten an Nordkoreas Atomanlagen sind   in den vergangenen Tagen zurückgegangen. Allerdings sei nicht klar, ob dies auf einen bevorstehenden neuen Atomtest hinweise oder ob die Arbeiten unterbrochen worden seien, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Montag hochrangige Kreisen. Die Erkenntnisse seien unter anderem per Satellit gewonnen worden.

Die USA verdächtigen Nordkorea bereits seit Jahren, heimlich ein Urananreicherungsprogramm zu verfolgen. In hoch angereicherter Form kann Uran für den Bau von Atombomben genutzt werden.

Nach eigenen Angaben konnte Nordkorea bereits ein Drittel seiner gebrauchten Atombrennstäbe aufarbeiten, aus denen sich dann waffenfähiges Plutonium gewinnen lässt. Eine unabhängige Überprüfung der Nuklearaktivitäten in Nordkorea ist nicht möglich, seitdem das Land im April erneut alle internationalen Inspekteure des Landes verwiesen hat.

Bereits Ende Mai hatte Nordkorea seinem Nachbarn Südkorea offen mit Krieg gedroht. Nach einem weltweit verurteilten Atomtest nannte Nordkorea damals die geplante Teilnahme Südkoreas an einer US- geführten Initiative gegen Massenvernichtungswaffen und an der Kontrolle nordkoreanischer Schiffe als "Kriegserklärung". Nordkorea werde "praktische Gegenaktionen wie in Kriegszeiten ergreifen".

Atomzentrum Yongbyon soll wieder in Betrieb gehen

Nach der Verurteilung des Starts einer nordkoreanischen Langstreckenrakete Anfang April durch den Weltsicherheitsrat hatte Nordkorea angedroht, seine atomare Abschreckung auszubauen und schon stillgelegte Anlagen im Atomzentrum Yongbyon wiederzuherstellen.

Nordkorea warf den USA am Samstag eine feindselige Politik vor und unterstellte dem höchsten UN-Gremium zugleich, von Washington zur neuen Resolution gegen das Land angestiftet worden zu sein. "Das ist ein weiteres gemeines Produkt der US-geführten Offensive, internationalen Druck mit dem Ziel auszuüben, die Ideologie der Volksrepublik (Nordkorea) und sein System zu unterlaufen." 

Washington fordert Rückkehr an den Verhandlungstisch

Die USA haben Nordkorea aufgefordert, die Provokationen zu beenden und sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. "Nordkorea muss seine provozierenden Aktionen und Rhetorik einstellen und ohne Bedingungen zum Sechs-Parteien-Prozess zurückkehren", hieß es aus dem Außenamt in Washington. Nordkorea war Mitte April aus den Sechs-Parteien-Gesprächen mit Südkorea, China, Japan, Russland und den USA ausgestiegen, deren langfristiges Ziel lautet, Pjöngjang zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen.

Die neue Resolution 1874 gegen Nordkorea, in der der Atomtest "auf das Schärfste verurteilt" wird, wurde einstimmig von allen 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats verabschiedet, darunter war auch Nordkoreas einziger Verbündeter China.

Chinas UN-Botschafter Zhang Yesui bezeichnete das Votum als "positives Signal für die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft, (Nordkoreas) Atomwaffenprogramm zu stoppen". Das Nachbarland Südkorea, das an den Verhandlungen über die Resolution teilgenommen hatte, begrüßte die Resolution ebenfalls.

Das Thema Nordkorea wird auch bei einem geplanten Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und Südkoreas Präsidenten Lee Myung Bak am 16. Juni in Washington im Mittelpunkt stehen. "Einer der wichtigsten Gründe für Nordkorea, seine Nuklearambitionen weiter zu verfolgen, ist es, die Macht innerhalb der Familie von Kim Jong Il zu festigen", sagte Lee dem "Wall Street Journal". Südkoreanische Medien hatten zuletzt berichtet, dass der gesundheitlich angeschlagene Kim seinen jüngsten Sohn Jong Un, als künftigen Machtnachfolger ernannt habe. (APA/dpa)

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    Der Sicherheitsrat verschärfte dioe Sanktionen gegen Pjöngjang.

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