Mayr-Melnhof hält 500 Millionen für Zukäufe bereit

10. Juni 2009, 16:21
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Abschwächung des Geschäfts im zweiten Halbjahr möglich - Stellenabbau derzeit kein Thema

Wien - Der Kartonhersteller Mayr-Melnhof (MMK) hat 500 Mio. Euro zur Verfügung und will damit in den nächsten zwölf Monaten zuschlagen, sagte MMK-Chef Wilhelm Hörmanseder am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

"Wir werden für unser Geld noch schöne Sachen bekommen. Es wird noch günstiger werden", betonte Hörmanseder. Mehr als 350 Millionen Euro an liquiden Mitteln habe der mehrheitlich in Familienbesitz stehende Konzern in der Kasse. Eine Kreditlinie von rund 200 Millionen Euro stehe zusätzlich zur Verfügung, sollten sich gute Gelegenheiten eröffnen.

Hörmanseder will sich auf Wachstumsmärkte konzentrieren. Daher seien Regionen wie Osteuropa, Russland, der Nahe und Mittlere Osten sowie Nordafrika besonders interessant. Mittelfristig stünden auch China, Indien und Brasilien auf dem Radar.

Die praktisch schuldenfreie MMK verweist auch auf ihren nachhaltigen Cash Flow. "Wir sind eine Cash-Maschine. Jedes Jahr erwirtschaften wir 200 Millionen Euro", sagte Hörmanseder. Eine Kapitalerhöhung brauche er deshalb für Zukäufe nicht.

MMK erzeugt pro Jahr rund 1,5 Millionen Tonnen Karton. Etwa 650.000 Tonnen werden in den eigenen Werken zu Verpackungen verarbeitet. Größter Konkurrent ist die finnische Stora Enso. In der Branche tummeln sich aber viele kleine Unternehmen, die in der Rezession zunehmend Probleme bekommen.

Rückgang der Auslastung

Auch an MMK geht die Wirtschaftskrise in vielen Märkten nicht spurlos vorbei. Im ersten Quartal 2009 ist die Auslastung der Kartonwerke auf 81 Prozent von 96 Prozent im Vorjahresquartal gefallen. Die Preise sind, obwohl Entlastung von sinkenden Rohstoffpreisen kommt, weiter unter Druck. Im zweiten Quartal sei aber mit keinen negativen Überraschungen zu rechnen, sagte Hörmanseder. "Wir waren im ersten Quartal vergleichsweise nicht so schlecht. Wir haben Umsatz verloren, hatten weniger Volumen, aber die Marge selbst, die Ergiebigkeit, ist gleich geblieben. Es wird auch im zweiten Quartal keine Überraschungen geben." Im ersten Quartal lag die operative Marge bei 9,3 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 9,8 Prozent.

Nicht ausschließen will der MMK-Chef eine Verschlechterung des Absatzes im dritten und vierten Quartal. Zeitverzögert werde über die steigende Arbeitslosigkeit der Konsum und damit der Verkauf von Karton und daraus erzeugten Verpackungen rückläufig sein. MMK bereite sich aber darauf vor und versuche, effizienter zu werden und Marktanteile zu gewinnen.

Der Konzern mit seinen rund 8.000 Beschäftigten möchte die Krise ohne Stellenabbau meistern. Jedes der Werke sei wettbewerbsfähig und profitabel, sagte Hörmanseder. Auf einen Absatzrückgang will der MMK-Chef offensiv reagieren. "Wenn das Geschäft weniger wird, müssen wir anderen was wegnehmen", sagte er mit Blick auf die Konkurrenz. (APA/Reuters)

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