Anti-Korruptionskampagne sorgt im Irak für Panik

9. Juni 2009, 13:16
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Nach Flucht eines Gouverneurs Verhaftung seines Assistenten - 42 Milliarden Dinar (rund 27 Millionen Euro) sollen unterschlagen worden sein

Bakuba - Im Irak sorgt eine staatliche Kampagne gegen korrupte Beamte für helle Aufregung. Beamte in der nordöstlich von Bagdad gelegenen Provinz Diyala bestätigten am Dienstag die Verhaftung des technischen Assistenten des Gouverneurs der Provinz, Abdulrazak Sahib. Dieser sei am Montag in seinem Büro in der Stadt Bakuba verhaftet worden. Der Beamte, der seinen Posten erst vor einigen Wochen angetreten hatte, soll bestechlich gewesen sein. Bei Infrastrukturprojekten soll er nach Informationen der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak 42 Milliarden Dinar (rund 27 Millionen Euro) unterschlagen haben. Sahib sei Mitglied der schiitischen Partei Hoher Islamischer Rat (SICI).

Zur Flucht des früheren Vize-Gouverneurs von Diyala, Auf Rahumi, hieß es am Dienstag in Bakuba, der Politiker, der seinen Posten nach den Provinzratswahlen vom vergangenen Jänner verloren hatte, habe den Irak am Montag via Erbil verlassen. Er sei zunächst in die Hauptstadt des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak gereist und dann von dort nach Deutschland geflogen, um den gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfen zu entgehen. Rahumi gehört der sunnitischen Islamischen Partei an. Während seiner Zeit als Vize-Gouverneur hatte er mehrere Attentatsversuche überlebt.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte vor einigen Wochen eine Kampagne gegen korrupte Beamte begonnen. Beobachter in Bagdad vermuten, dass rund 80 Prozent der Staatsdiener Bestechungsgelder annehmen und öffentliche Gelder veruntreuen. "Unter den Beamten ist jetzt Panik ausgebrochen", heißt es. Al-Maliki soll die Kampagne, von der auch Angehörige seiner eigenen Dawa-Partei nicht ausgenommen sind, mit Blick auf die Parlamentswahl im kommenden Jänner begonnen haben. Außerdem stört ihn offensichtlich, dass die teilweise haarsträubenden Berichte von Diplomaten und Experten über das Ausmaß der Korruption im Irak den Willen ausländischer Firmen, in seinem Land zu investieren, ebenso bremsen wie die Sicherheitsrisiken. (APA/dpa)

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