Wiener Städtische will sich von gemeinsamer Tochter trennen

8. Juni 2009, 19:02
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Versicherer hat Beteiligung in Liechtenstein - FMA-Anzeige gegen Bank Medici

Wien - Die Wiener Städtische Versicherung (eigentlich: Vienna Insurance Group, VIG) ist gerade dabei, sich von einer Beteiligung zu lösen, die sie mit der Bank Medici in Liechtenstein hält. Eingegangen ist der börsennotierte Versicherer die 15-Prozent-Beteiligung an Private Life im Herbst 2007; damals wurde das Unternehmen, das Lebensversicherungen nach liechtensteinischem Recht anbieten sollte, gegründet. Weitere je15 Prozent halten Bank Medici und Liechtensteinische Life Trust AG, 55 Prozent die Starvest Anstalt.

Laut VIG-Vorstandschef Günter Geyer ging die Initiative von Medici-Mehrheitseignerin Sonja Kohn aus: "Wir wurden von ihr angesprochen, ob wir die Verwaltungsaufgaben für Private Life übernehmen. Wir wollten, aber nur unter der Voraussetzung einer Beteiligung." Verkauf und Vertrieb der Versicherungsprodukte sollten von der Bank Medici erledigt werden - allerdings war der Erfolg mäßig. Laut Geyer wurden "ein oder zwei Versicherungsverträge abgeschlossen. Wir sind daher dabei, unsere Anteile zu verkaufen". Überlegt werde auch die Auflösung der Gesellschaft. Die Frage, wer hinter den beiden Mitgesellschaftern von Private Life steht, beantwortet Geyer nicht, "wir haben uns das nicht näher angeschaut". Angeblich handelt es sich um Bekannte Kohns.

Kohns Bank (die BA hält die Sperrminorität) wird jetzt umgebaut: Die FMA hat Medici die Banklizenz entzogen. Und bei der Justiz liegt eine Sachverhaltsdarstellung der Aufsicht, in der es um die Investmentfonds-Gesellschaft Herald (Lux) geht: Der Fonds nach luxemburgischen Recht ist in Österreich notifiziert, die Bank Medici fungiert als Promotor, Investmentmanager, Zahlstelle und globale Vertriebsstelle.

Laut Anzeige lag die "Letztentscheidung über den Anlageprozess" aber bei Bernard Madoffs Securities LLC, Madoff habe "die Frage entschieden, ob und zu welchem Zeitpunkt das Anlagevermögen des Fonds zu investieren war". Dies ergebe sich aber nicht aus dem Fondsprospekt, auf dessen Erstellung Medici Einflussmöglichkeiten gehabt habe. Wäre dieser Umstand "ordnungsgemäß offen gelegt worden, ist davon auszugehen, dass Anleger ... von diesem Finanzprodukt Abstand genommen hätten". Die Aufsicht ortet darin einen Verstoß gegen das Investmentfondsgesetz.

Der Anwalt der Bank Medici und ihrer Ex-Manager, Andreas Theiss, weist das zurück. Österreichs Investmentfondsgesetz komme gar nicht zur Anwendung, zudem sei die Fondsgesellschaft bei der Prospekterstellung gemäß luxemburgischem Recht von Experten beraten worden. Theiss: "Die Bank hat alle Informations- und Aufklärungspflichten erfüllt."

Ein Ex-Banker beschrieb die Fonds und Madoff bei seiner Einvernahme übrigens so: "Die Fonds wurden deshalb so gut verkauft, weil Madoff draufstand. Das Produkt an sich war sehr gut, nur wusste niemand, dass Madoff stiehlt. ... Madoff war aber etwas schrullig und wollte deshalb u. a. nicht, dass sein Name in Fondsprospekten aufschien, wenngleich es jeder wusste." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2009)

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