Berlusconi peilt Kantersieg an

7. Juni 2009, 19:59
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Berlusconis Sieg gilt als sicher - Die Frage ist nur wie hoch er nach seinen jüngsten Eskapaden gewinnt

In Italien beginnt die Auszählung der Stimmen für die Europawahlen nach Schließung der Wahllokale um 22 Uhr. Teilergebnisse werden erst nach Mitternacht erwartet. Einige Fernsehsender kündigten für 23 Uhr Hochrechnungen an, die jedoch in Italien traditionsgemäß unzuverlässig sind. An einem deutlichen Sieg des regierenden Premiers Silvio Berlusconi bestanden keine Zweifel. Als ungewiss galt nach den jüngsten Affären des Cavaliere lediglich das Ausmaß seines Erfolgs. Der Regierungschef, der trotz Unvereinbarkeit der Ämter in allen Wahlkreisen Italiens als Spitzenkandidat für Straßburg kandidierte, wollte mindestens 40 Prozent der Stimmen auf sein Volk der Freiheit vereinen.

Die mit Berlusconi verbündete Lega Nord, die mit erheblichem Zuwachs rechnete, peilte zehn Prozent an. Damit könnte das Rechtsbündnis erstmals ein Rekordergebnis um die 50 Prozent verbuchen, während der glücklose Partito Democratico mit rund 27 Prozent zufrieden sein müsste. Dagegen konnten die Christdemokraten mit rund acht Prozent auf ein Achtungsergebnis hoffen. Von den restlichen Parteien durfte nur Antonio Di Pietros „Italien der Werte" hoffen, den Sprung über die Vierprozent-Hürde zu schaffen. Kommunisten, Grünen und Sozialisten sowie den Radikalen der früheren EU-Kommissarin Emma Bonino prophezeiten die Demoskopen ein Ergebnis unter der Sperrklausel.

Nach ersten Teilergebnissen zeichnete sich eine sinkende Wahlbeteiligung ab. Der Rückgang wäre sicher deutlicher ausfallen, wäre nicht gleichzeitig in fast 4300 Gemeinden und 62 Provinzen gewählt worden. Dabei musste der oppositionelle Partito Democratico ein Debakel befürchten. Der zerstrittenen Linken drohte der Machtverlustverlust in der Hälfte der von ihr regierten 50 Provinzen, darunter Mailand, Turin, Neapel, Venedig und Bologna. Bei den Gemeindewahlen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf 26 Provinzhauptstädte, darunter Florenz, Bologna, Bari und Padua. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2009)

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