Kritik an Infokette nach Airbus-Unglück

5. Juni 2009, 18:56
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Angebliche Wrackteile nicht vom Flugzeug

Im Atlantik schwimmen Holzabfälle und Öllachen: Darauf beschränken sich die Funde nach fünftägiger fieberhafter Suche des verunglückten Airbusses der Air France mit 228 Menschen an Bord. Die brasilianischen Militärbehörden mussten einräumen, dass die aus dem Wasser gefischten Objekte, die sie tagelang als Wrackteile ausgegeben hatten, nicht zu einem Flugzeug gehört haben können, sondern wohl von einem Schiff stammen. Die Ölspur habe man fälschlicherweise für Kerosin ausgegeben. Der angeblich gesichtete Flugzeugsitz wurde noch nicht geborgen.

Zwischen Paris und Brasilia sorgte diese Klarstellung gestern für den Austausch verbaler Freundlichkeiten: Der französische Transportminister Dominique Bussereau warf den "brasilianischen Freunden" vor, sie hätten "Dinge gesehen, von denen sie glaubten und behaupteten, dass sie zu dem Flugzeug gehörten". Brasilianische Medien hatten dagegen schon Mitte der Woche kritisiert, Air France habe zu rasch die Hypothese eines Absturzes infolge eines Blitzschlags aufgestellt - woran Experten heute nicht mehr glauben. Immer wieder hieß es auch, Frankreich halte Informationen zurück. Der französische Außenminister Bernard Kouchner versicherte nach einem Kurzbesuch in Rio: "Wir verbergen nichts, und wir hätten auch keinerlei Grund, irgendetwas zu verheimlichen."

Probleme mit der Geschwindigkeit

Auch wenn derzeit jede Spur von dem Unglücksflugzeug fehlt, verdichten sich die Anzeichen, dass der A330 zu langsam durch die Gewitterzone flog. Dies könnte, wie der französische Ex-Linienpilot Jean Serrat meint, zu einem Absturz geführt haben.

Das in Paris ansässige Büro für Flugermittlungen (BEA) bestätigte gestern die Meldung der Zeitung Le Monde, dass der Airbus zuletzt "falsche" Geschwindigkeitsdaten übermittelt habe. Die mehrfach in einem Flugzeug gemessenen Geschwindigkeitsdaten, die automatisch übertragen werden, hätten demnach nicht zusammengepasst. Ein Airbus-Sprecher gab aber gestern an, es sei noch ungeklärt, "was zu den unterschiedlichen Messungen geführt hat und was danach im Cockpit geschah".

Brasilianische Wissenschafter gehen allerdings schon wieder einen Schritt weiter und vermuten, dass der Airbus schon vor Eintritt in die Turbulenzen Manövrierprobleme gehabt haben könnte. Andernfalls hätte der Pilot ausweichen können, meinen sie. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7. Juni 2009)

 

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