Erstes "Gipfeltreffen" im ehemaligen KZ Loibl

5. Juni 2009, 18:46
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Bundespräsident Heinz Fischer und sein slowenischer Amtskollege Danilo Türk gedachten NS-Opfern

Klagenfurt - 3. Juni 1943: Die ersten 330 KZ Häftlinge werden mit einem Güterzug von Mauthausen ins slowenische Trziè und anschließend mit Lkws in das KZ Loibl-Süd, gebracht. Die Zwangsarbeiter aus 16 europäischen Ländern müssen hier beidseitig der Grenze auf 1566 Metern einen Tunnel durch die Karawanken treiben, um Adolf Hitlers Kriegsmaschinerie den Nachschub in die unterworfenen Länder Südosteuropas zu ermöglichen. Viele sterben auf der "Baustelle des Todes" oder durch den berüchtigten "Doktor Tod", der nach dem Ende Hitlerdeutschlands in Klagenfurt unbehelligt als Arzt arbeiten durfte.

Fast auf den Tag genau 66 Jahre später: Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer und sein slowenischer Amtskollege Danilo Türk besuchten am Freitag gemeinsam die heutigen Gedenkstätten der ehemaligen Mauthausen-Außenlager Loibl-Süd auf slowenischer und Loibl-Nord auf Kärntner Seite. Beide Staatsoberhäupter legten sowohl am Südportal als auch an der Nordseite des Loibl-Tunnels Kränze nieder. "Es ist unsere Pflicht, mit diesen Dingen ehrlich umzugehen und nichts zu verschweigen", sagte Fischer in seiner Ansprache, der als erster österreichischer Bundespräsident die beiden ehemaligen KZ-Teile am Loiblpass besuchte.

In Slowenien besteht schon seit 1950 eine Gedenkstätte, in Kärnten wurde erst 1995 auf Betreiben des Komitees Mauthausen-aktiv Kärnten/Koroska unter der Leitung des Klagenfurter Uni-Professors Peter Gstettner eine Gedenktafel am Tunnel-Nordportal angebracht.

Fischer: "Nicht verschweigen"

"Wir haben nicht von Anfang an den richtigen Weg gefunden, mit diesen Dingen richtig umzugehen", zeigte sich Fischer selbstkritisch. In den kommenden Jahren soll auch auf österreichischer Seite, unterstützt vom Innenministerium, eine würdige Gedenkstätte errichtet werden. Das Konzept für eine "lebende Gedenkstätte" sei fertig, erklärte Barbara Schätz, Leiterin der Gedenkstättenabteilung im Innenministerium.

Sloweniens Staatspräsident Danilo Türk sprach vom "Beginn von etwas Neuem". Nicht "Missverständnisse" zwischen den beiden Ländern sollten künftig im Vordergrund stehen, sondern "gemeinsame Projekte".

Das offizielle Kärnten war durch die Parteichefs und Regierungsvertreter von SPÖ, Reinhart Rohr und Peter Kaiser, Josef Martinz (ÖVP) und den grünen Landessprecher Rolf Houb vertreten. Landeshauptmann Gerhard Dörfler blieb wie die übrige BZÖ-Politiker-Riege dem Gedenken trotz Einladung Fischers demonstrativ fern.

Gstettner verwies darauf, dass es heute noch "Verharmloser und Verdränger" gebe: "Solange dieses Land seine NS-Geschichte nicht gänzlich aufgearbeitet hat, dürfen wir uns nicht zum Kreis des zivilisierten Europa zählen." Das Gipfeltreffen an dem Ort, "an dem sich die Blutspur der NS-Täter tief in den Boden gegraben" habe, sei von "hoher symbolischer Bedeutung". (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2009)

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